AMPHITRYON

INHALT

Als Sosias, Diener des thebanischen Feldherren Amphitryon das Haus seines Herren betreten will, um dessen Gattin nach glorreicher Schlacht die Siegesmeldung zu überbringen, macht er eine fatale Entdeckung: Er selbst ist schon da. Mit rüder Geste verweigert ihm ein Mann den Zutritt, der behauptet, Sosias zu sein. In Wahrheit ist es Götterbote Merkur und das Ganze erst das Vorspiel einer göttlichen Komödie, die zumindest die Menschen in existenzielle Daseinskrisen stürzen wird. Was sich auf der Dienstbotenebene als unlösbarer Konflikt anbahnt, weitet sich bald auf die Königsebene aus. Auch der glanzvolle Feldherr findet nach seiner Rückkehr aus der Schlacht seinen Platz besetzt und seine Frau in den Armen eines anderen. Bevor er jedoch die Existenz eines Doppelgängers in Betracht zieht, setzt er seine Frau Alkmene wüsten Verdächtigungen und Beschimpfungen aus. Alkmene ist sich keiner Schuld bewusst. Im Gegenteil, nie war sie glücklicher, denn schließlich ist ihr der Gatte nach langer Trennung in seiner wunderbarsten Gestalt erschienen. Sie kann nicht wissen, dass sich Jupiter, Gott aller Götter, die äußere Gestalt des Amphitryon lieh, um mit der sehnsüchtigen Frau eine Nacht lang die nie gekannte ungeteilte Liebe zu erleben. Was ihr als göttliches Geschenk erscheint, muss für Amphitryon Bedrohung sein. »All diese Blicke werft in einen Spie­gel, und steht mir Rede: Wer bin ich?«, fragt der bis ins Mark erschütterte Mann und Kriegsheld. Denn mit seiner Frau, seiner Männlichkeit und seiner Herrschaft ist er auch seiner Identität verlustig gegangen. Das 1807 veröffentlichte Drama um die Seinskrise des Menschen in entfremdeten Verhältnissen erlebte erst 1899 seine Uraufführung in Berlin – der Autor war seiner Zeit und dem Theater fast ein Jahrhundert voraus.

Besonders hinweisen möchten wir Sie auf folgende Veranstaltung im Dezember:

UNI IM THEATER: Symposium zur Inszenierung Amphitryon
VON GÖTTERN UND MÄNNERN oder MÄNNLICHKEIT IN DER KRISE

Ein Mann strebt als Feldherr nach göttlichem Ruhm. Ein Gott will eine Nacht lang Mensch sein und sucht die Liebe einer Frau. Beide verkörpern die Krisensymptome des modernen Mannes. Die neue Veranstaltung der Reihe Uni im Theater nimmt das Lustspiel Amphitryon von Heinrich von Kleist in der Regie von Walter Meierjohann zum Gegenstand heutiger Auseinandersetzung.

Namhafte WissenschaftlerInnen bringen als ReferentInnen und GesprächspartnerInnen ihre Standpunkte ein: Univ. Prof. Dr. Renate Ortlieb (Institut für Personalpolitik): „Mit oder ohne göttlichen Doppelgänger: Männlichkeit in Führungspositionen der Wirtschaft“; Susanne Kink, M.A. (Institut für Soziologie): „Der Feldforscher als ‚Nachfahre‘ des antiken Feldherrn?“; O.Univ. Prof. Prof. h.c. Dr. Karl Kaser (Institut für Geschichte, Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie): „Die Krisen der Männer“.
Außerdem stellt sich Schauspieler Jan Thümer den Fragen der Teilnehmer zu verschiedenen Aspekten seiner Rollen Jupiter und Amphitryon.
Die Reihe entsteht in Kooperation mit der Karl-Franzens-Universität Graz unter der Federführung von Univ. Prof. Dr. Irmtraud Fischer und Dr. Alexandra Strohmaier.

Am Samstag, 7. Dezember, 16 bis 19 Uhr, Salon im 1. Rang, Eintritt frei!
Karten für die Vorstellung Amphitryon (Beginn 19.30 Uhr) müssen separat erworben werden.

MEDIEN

SCHAUSPIELHAUS GRAZ: Trailer zu AMPHITRYON

PRESSESTIMMEN

„Recht vergnüglich, durchaus, gewährleistet durch ein äußerst spielfreudiges, kontrastreiches Quintett, in dem Jan Thümer als Protagonist und Jupiter den hohen Kleist'schen Tragödienton anschlägt, Thomas Frank als Diener Sosias sein großartiges Komödiantentum herrlich entfaltet und Katharina Klar (Alkmene) für ein berührendes Finale sorgt. Eine Kleisterstunde der Heiterkeit, mit doppelt großem Beifall gedacht. Gut so. Gut so.“
(Werner Krause, Kleine Zeitung, 17. November 2013)

„Meierjohann hebt das Stück aus seiner Zeit in einen weitgehend unbelasteten Raum (die reduzierte Bühne dazu liefert Steffi Wurster, die stilisierten, modernen Kostüme stammen so wie der Sound von Louis Price). Er verringert das Personal, verdichtet die Handlung. In seiner Regiearbeit konzentriert er sich vor allem auf den Text […]. Und Meierjohann setzt auf seine Schauspieler, die er sehr präzise und geschickt durch die über weite Strecken temporeiche Inszenierung führt. Katharina Klar darf als Alkmene vom Vamp bis zur verstörten Gattin ein breites Spektrum zeigen. Jan Thümer ist als tänzelnder, strahlender Gott ebenso glaubwürdig wie als vor den Kopf gestoßener Feldherr und Ehemann. Simon Zagermann gibt den Merkur zynisch, mitunter sogar grob, treibt mit seinem menschlichen Doppelgänger Sosias böse Späße. Der liegt bei Thomas Frank in besten Händen. Er verleiht der Figur nicht nur liebenswerten Charme, sondern zeigt einen Narren von beinahe Shakespeareschem Format. Birgit Stöger stellt ihm eine herb-komische Gattin Charis zur Seite.“
(Michaela Reichart, Kronen Zeitung, Steirerkrone, 17. November 2013)

„Im Schauspielhaus Graz wird Heinrich von Kleists Komödie des absoluten Zweifels von Walter Meierjohann knapp und stimmig inszeniert. Neben prächtiger Komik gibt es auch Anlass zur Reflexion. […] Walter Meierjohann, dessen straffe und gekonnte Inszenierung am Freitag Premiere hatte, legt Heinrich von Kleists fantastisches Verwechslungsspiel beschwingt und locker an. […] Jan Thümer entwickelt in seiner Doppelrolle als Jupiter und Amphitryon zwei sehr unterschiedliche Körpersprachen. Der Gott ist gelöst bis zur Albernheit, der Mensch ist verspannt. Alkmene glaubt noch fest daran, mit ihrem Gatten geschlafen zu haben. Doch auch sie wird bald eine schwere Identitäts- und Ehekrise haben wegen der göttlichen Verstellung. Das Spiel ist nicht harmlos, sondern grausam. Zwei Egomanen wollen sich auf Kosten der Frau definieren. Deren Bild vom Mann wird durch das Mannsbild an sich ernüchtert. Katharina Klar interpretiert ihre Rolle wunderbar. Sie bezaubert und erregt Mitgefühl.“
(Norbert Mayer, Die Presse, 17. November 2013)