DER TALISMAN

Posse mit Gesang in drei Akten von Johann Nestroy

Couplets von Ferdinand Schmalz (Text) und Bernhard Neumaier (Musik) nach Motiven von Adolf Müller Sen. in der Bearbeitung von Mathias Spohr

Regie Dominique Schnizer

INHALT

Als Außenseiter hat man’s schwer: Davon weiß der Barbiergeselle Titus Feuerfuchs ein Lied zu singen, sorgen doch seine feuerroten Haare nicht nur stets für Spott und Gelächter, sondern auch dafür, dass er von seinem reichen Onkel verstoßen wurde und keine rechte Anstellung findet. Darüber mag ihn auch die offensichtliche Zuneigung der ebenfalls rothaarigen Salome nicht hinwegzutrösten. Sein Schicksal wendet sich, als er einem Reisenden das Leben rettet und dieser ihm zum Dank eine schwarze Perücke als Talisman schenkt. Plötzlich reißt sich die heiratswütige Damenwelt, die gleichzeitig auch Arbeitgeberwelt ist, um den dunkelhaarigen Jüngling und ermöglicht ihm einen rasanten beruflichen und sozialen Aufstieg. Titus weiß die Gunst der Stunde zu nutzen und nimmt – mal kratzig und aufbegehrend, mal charmant und zärtlich, jedoch immer listig – Stufe um Stufe. Doch dann kommt ihm sein Talisman abhanden und ein irrwitziges Ringen gegen den Absturz zurück ins gesellschaftliche Abseits beginnt …

„So kopflos urteilt die Welt über die Köpf’, und wann man sich auch den Kopf aufsetzt, es nutzt nix. Das Vorurteil is eine Mauer, von der sich noch alle Köpf’, die gegen sie ang’rennt sind, mit blutige Köpf’ zurückgezogen haben“, lässt Johann Nestroy seinen Protagonisten im „Talisman“ räsonieren und wirft damit einen kritischen Blick auf eine Gesellschaft, die von Vorurteilen, Dünkelhaftigkeit, Konkurrenzkampf, Machtwille und Geldgier beherrscht wird – eine Welt der Ausgrenzung und Diskriminierung, in der Schein mehr zählt als Sein und es einer kleinen Revolution gleichkommt, ganz man selbst zu sein.

Dominique Schnizer, der in der vergangenen Spielzeit mit „Kreise / Visionen“ erfolgreich sein Regiedebüt in seiner Heimatstadt Graz gab, wird sich Nestroys satirischer und sozialkritischer Posse rund um die wohl bedeutendste Perücke der Theaterliteratur annehmen, die auch 177 Jahre nach ihrer Uraufführung nichts an Aktualität eingebüßt hat. Eine Brücke ins Heute wird zudem der junge Grazer Erfolgsautor Ferdinand Schmalz schlagen: bekannt für seinen beißenden Sprachwitz wird er die Nestroy’schen Lieder und Couplets eigens für diese Inszenierung bearbeiten und ergänzen.

BESETZUNG

BÜHNE UND KOSTÜME
MUSIKALISCHE LEITUNG
DRAMATURGIE
TITUS FEUERFUCHS
FRAU VON CYPRESSENBURG
EMMA, IHRE TOCHTER
CONSTANTIA, IHRE KAMMERFRAU
FLORA BAUMSCHEER, GÄRTNERIN
PLUTZERKERN, GÄRTNERGEHILFE
MONSIEUR MARQUIS, FRISEUR
SPUND, EIN BIERVERSILBERER
HERR VON PLATT / NOTARIUS FALK
SALOME POCKERL, GÄNSEHÜTERIN
IN DIVERSEN ROLLEN

TERMINE/TICKETS

Donnerstag
12
Okt
WIEDERAUFNAHME
DER TALISMAN
Posse mit Gesang in drei Akten von Johann Nepomuk Nestroy
Couplets von Ferdinand Schmalz (Text) und Bernhard Neumaier (Musik) nach Motiven von Adolf Müller Sen. in der Bearbeitung von Mathias Spohr
ab 19:30 | HAUS EINS | Freier Verkauf, € 4,50 bis 46,50
Freitag
27
Okt
DER TALISMAN
Posse mit Gesang in drei Akten von Johann Nepomuk Nestroy
Couplets von Ferdinand Schmalz (Text) und Bernhard Neumaier (Musik) nach Motiven von Adolf Müller Sen. in der Bearbeitung von Mathias Spohr
ab 19:30 | HAUS EINS | Freier Verkauf, € 4,50 bis 46,50

PRESSESTIMMEN

„Mit zwei Premieren von Johann Nestroy („Der Talisman „) und Ferdinand Schmalz ( „der thermale widerstand „) zeigt sich das Stadttheater der Mur-Metropole in prächtiger Verfassung und beeindruckender Spiellaune. […] Jede Figur eine umrissscharfe Karikatur, jeder Dialog ein Treffer: Regisseur Dominique Schnizer, ein in Graz Geborener, nimmt brillant Maß an Nestroy […] Franz Solar exzelliert als französelnder Friseur! […] Der donnernde Premierenapplaus war auch den Couplets geschuldet. Dichter Ferdinand Schmalz hat Nestroys Liedstrophen sprachlich übermalt. Sogar Besucher, die nicht mit allen Facetten der Kommunalpolitik vertraut sind, durften über Soja-Latte-Bobos und andere Kleingeister zufrieden schmunzeln. […] Das Grazer Schauspielhaus flirrt auf allen Ebenen. Hier trägt das Theater alle Tage ein Feiertagsg’wandel.“ (Der Standard, Ronald Pohl, 24.4.2017)

„Dominique Schnizer inszeniert „Der Talisman“ mit Respekt vor dem ursprünglichen Wortwitz, er modernisiert diese Posse auch – so behutsam und effizient, dass die Bloßstellung menschlicher Schwächen gelingt. […] Dominique Schnizer hat für das Schauspiel Graz eine Inszenierung geschaffen, die behutsam mit dem Originaltext umgeht, durch volkstümlich-poppige, aber nicht aufdringliche Musik eines Quartetts unter der Leitung von Bernhard Neumaier belebt wird, und durch raffinierte neue Liedtexte des Dichters Ferdinand Schmalz noch an Qualität gewinnt. […] Die zweieinhalbstündige Aufführung wurde bei der Premiere am Samstag so heftig wie ausführlich bejubelt. […] Sarah Sophia Meyer spielt sie anfangs romantisch bis melancholisch, doch sie verleiht der Rolle noch weit mehr Facetten. […] Und wenn sie später tanzt und jodelt, hat sie das Publikum endgültig gewonnen. Erst aber darf Titus mit ihr ein wenig flirten und sich von ihr abwenden, nachdem er den Marquis (hervorragend Franz Solar) gerettet hat. […] Evamaria Salcher würzt diese Rolle mit spröder Strenge und kaum unterdrückter Lust. […] Raffiniert spielt Christiane Roßbach diese dritte Witwe, die ihm nachstellt. Skurrile Vertreter der höheren Gesellschaft machen ihr die Aufwartung, unter ihnen sticht Rudi Widerhofer als Faktotum hervor. […] Franz Xaver Zach erscheint als schwerreicher Verwandter. Seine Darstellung des Bierversilberers Spund, der Rothaarige hasst, ist zutiefst schrullig.“ (Die Presse, Norbert Mayer, 24.4.2017)

„Regisseur Dominique Schnizer sorgt mit Nestroys Posse ‚Der Talisman‘ am Grazer Schauspielhaus für Lachstürme. […] Schwungvolle Couplets […] Schnizer setzt diesen Verzweiflungsakt gag- und effektreich in Szene, mit überlebensgroßen Charakterkarikaturen, präzisen Pointen […] Clemens Maria Riegler navigiert als Titus wie im Fieber durch die ausdrucksvollen Räume von Christin Treunert und über die Begehrlichkeiten eines Witwentrios (kongenial: Susanne Konstanze Weber, Evamaria Salcher, Christiane Roßbach) hinweg, um doch noch in den Armen der gleichfalls rothaarigen Salome Pockerl zu sich zu kommen – anrührend spielt Sarah Sophia Meyer die Gänsemagd […] Beide, Meyer und Riegler, brillieren auch in den Couplets, die Bernhard Neumaier und seine Mitmusiker sehr lässig zum Swingen bringen. Die Textauffrischung der Musikstücke besorgte der Dramatiker Ferdinand Schmalz. […] Detto Franz Solar als französelnder ‚Kampelritter‘, Franz Xaver Zach als überforderter Erbonkel, Werner Strenger als Knecht Plutzerkern in Dauerzeitlupe.“ (Kleine Zeitung, Ute Baumhackl, 24.4.2017)

„Runde Sache mit feinen Spitzen […] Also winkt der ‚roten Rüben‘ Titus Feuerfuchs, dem Clemens Maria Riegler charmante, aber auch ganz schön trotzige Züge verleiht, erst das vermeintliche Glück, als er zur Perücke, einem Geschenk des Friseurs (komödiantische Glanzleistung von Franz Solar), greift. […] Zum Glück gibt’s den bei Nestroy obligaten reichen Verwandten (perfekt besetzt mit Franz Xaver Zach), der doch noch alles zum Guten wendet und dem Glück von Titus und der ebenfalls rothaarigen, resoluten Gänsemagd Salome Pockerl (berührend: Sarah Sophia Meyer) auf die Sprünge hilft. […] Der Handlung bleibt Schnizer ebenso treu wie der Nestroy’schen Sprachkunst. […] Mit Biedermeier-Elementen spielt die Ausstattung von Christin Treunert, sowohl bei Bühne als auch bei Kostüm. Dass es nicht zu museal wird, dafür Sorgen schräge Brüche. Die findet man auch in der Musik Bernhard Neumaiers, der mit Daniel Fuchsberger, und den Schauspielern Matthias Ohner und Rudi Widerhofer den Abend begleitet. Die Texte zu den Couplets hat Ferdinand Schmalz beigesteuert – sie liefern die feinen Spitzen […] So gut unterhalten darf sich das Publikum selten fühlen.“ (Kronen Zeitung, Michaela Reichart, 24.4.2017)

„Anspielungen an Donald Trump, Gesundheitswahn, das Grazer Murkraftwerk und lokale Politik lassen schmunzeln. Einige perfekte Nestroyfiguren tummeln sich in der Täuschungskomödie. Mit Sicherheit ein Quotenbringer.“ (Salzburger Nachrichten, Martin Behr, 24.4.2017)