DU (NORMA)

Österreichische Erstaufführung

Philipp Löhle

Regie Dominic Friedel

INHALT

Norma, die als kleines Kind noch gerne mit den Jungs gespielt hat (und diese mit ihr), muss irgendwann mit Ernüchterung feststellen, dass Gleichberechtigung auf dem Spielplatz aufhört, als die Jungs feststellen, dass sie „anders“ ist: Als Mädchen darf sie nicht mehr mitspielen. Im Teenageralter kämpft sie mit ihrem sich verändernden Körpergefühl und den Erwartungen an das Frau-Sein und -Werden. Ihre Kindheit nimmt mit einem Schlag ein Ende, als sie auf der Geburtstagsparty ihres Bruders unter Drogeneinfluss Opfer einer Massenvergewaltigung wird. Obendrein wird sie dafür in der Schule gemobbt. Auch das Wegziehen und Studieren bringen keinen Neustart, sondern nur belanglose Liebschaften, übermäßigen Drogenkonsum und einen Verkehrsunfall mit sich. Ungewollt schwanger wird ihr sogleich die Vormundschaft vom Jugendamt entzogen und die Verwirrungen in ihrem Kopf werden stetig mehr. Nach einer versuchten und gescheiterten Entführung steht sie vor einer großen Entscheidung: Wie soll es weitergehen? Geht ihr Leben nun ab- oder aufwärts oder endet es? Reichlich dramatisch klingt die Geschichte von Norma, der das Schicksal eine Prüfung nach der anderen beschert. Oder ist es der Autor? Denn das Stück ist auch eine hintersinnige dramatische Spielerei zu einem ernsten Thema. Neben den dialogischen Passagen stehen nämlich lange Prosatexte, vorgeblich sind es Regieanweisungen, die „je nach Finanzlage des jeweiligen Theaters umgesetzt oder auch nur erzählt werden können“. Mit dem typischen Witz von Philipp Löhle werden darin Situationen geschildert, in denen sich die leidgeprüfte Protagonistin wehren und bewähren muss – bis sie schließlich die Prosastimme adressiert und in einen Dialog mit ihrem unsichtbaren Schöpfer tritt. Die drastische Zuspitzung des Schicksals der Theaterfigur Norma ist, wie ein Blick auf die aktuellen Statistiken der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte zeigt, dennoch bittere Realität: Jede dritte Frau in der EU ist körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Philipp Löhle fühlt dem Lauf der Zeit also wieder einmal auf den Zahn und fragt: Kann es einen bewussten Ausstieg aus einem vorgegeben Leben geben, kann eine Revolte gegen die uns umgebenden Gewaltstrukturen erfolgreich sein, und sei es nur, indem eine Figur es schafft, hinter den Text zu schauen, der ihr vorgegeben wird?

– ca. 1 Stunde 40 Minuten –

Sie sind ein Fan von zeitgenössischer Dramatik? In HAUS ZWEI ist ebenfalls die Komödie „Yellow Line“ von Charlotte Roos und Juli Zeh zu erleben.

TERMINE/TICKETS

Mittwoch
05
Apr
ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG
DU (NORMA)
von Philipp Löhle
20:00 bis ca. 21:40 | HAUS ZWEI | Freier Verkauf, € 17 / € 9 (erm.)
Mittwoch
26
Apr
ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG
DU (NORMA)
von Philipp Löhle
20:00 bis ca. 21:40 | HAUS ZWEI | Freier Verkauf, € 17 / € 9 (erm.)
Donnerstag
04
Mai
ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG
DU (NORMA)
von Philipp Löhle
20:00 bis ca. 21:40 | HAUS ZWEI | Freier Verkauf, € 17 / € 9 (erm.)
Mittwoch
17
Mai
ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG
DU (NORMA)
von Philipp Löhle
20:00 bis ca. 21:40 | HAUS ZWEI | Freier Verkauf, € 17 / € 9 (erm.)

PRESSESTIMMEN

„Dominic Friedels scharfsinnige Inszenierung bringt dem Grazer Schauspielhaus Philipp Löhles […] Opferbiografie „(DU) Norma“. […] Ideenreich, pointensicher und mit enormen Gefühl für Rhythmus und Stille schickt Friedel die Schauspieler Pascal Goffin, Benedikt Greiner, Sarah Sophia Meyer, Clemens Riegler sowie eine überlebensgroße, weiche Häkelpuppe durch den rasanten Parcours. […] Viel Applaus.“ (Ute Baumhackl, Kleine Zeitung, 6. März 2017)

„Recht originell geriet die Umsetzung durch Regisseur Dominic Friedel: Eine riesige Stoffpuppe sitzt auf der Bühne (Frank Holldack) und verkörpert Norma. […] Ein ganzer Abschnitt wird als Schwarz-weiß-Video gezeigt, das Abrutschen in die Gelegenheits-Prostitution ist nur mittels Text dargestellt und wirkt gerade dadurch sehr stark. Pascal Goffin, Benedikt Greiner, Sarah Sophia Meyer und Clemens Maria Riegler kämpften mit ganzem Körpereinsatz.“ (Kathrin Zehetleitner, APA, 5. März 2017)