Metropolis

Fritz Lang und Thea von Harbou

INHALT

Joh Fredersen regiert Metropolis, Stadt der Zukunft, Stadt der Ausbeuter und Ausgebeuteten. Die Reichen vergnügen sich in den paradiesischen Gärten der Oberstadt, während die Arbeiter unterirdisch ein erbärmliches Dasein fristen. Fredersens Sohn Freder verliebt sich in Maria, eine Arbeiter-Aktivistin aus der unterirdischen Stadt, die den Arbeitern Befreiung aus der Versklavung predigt. Sie führt ihn in die Unterwelt, wo er die Arbeiterbewegung unterstützt. Um den Arbeitern den Glauben an Maria zu nehmen, lässt Freders Vater von Wissenschaftler Rotwang eine mechanische Doppelgängerin Marias konstruieren. Rotwang aber programmiert den ersten weiblichen Androiden so, dass dieser seinem eigenen zerstörerischen Plan dient …

Die urbane Modernität, die „Goldenen Zwanziger“, die utopisch kinematographische Stadt – kein Film beschwört diese Klischees des vergangenen Jahrhunderts lebhafter herauf als Metropolis, Fritz Langs unverwüstliches Meisterwerk aus den Jahren 1926/27. Von seiner Entstehung bis heute hat dieser Filmklassiker, der sich immer wieder aufs Neue aus seinen eigenen Widersprüchen speist, ebenso viele hymnische Lobreden wie abschätzige Kritiken hervorgerufen. Die Aufzählung der kontroversen Wertungen wie Sozialkitsch, antirevolutionäre bzw. prorevolutionäre Propaganda, präfaschistische Ästhetik oder filmtechnisches Meisterwerk ließen sich unendlich fortsetzen. Der Monsterfilm, den die Kritiker zu hassen liebten, floppte bei der Premiere, wurde in der im Retrolook aufgemotzten Technoversion der 80er zum Kultfilm und wird unterdessen als Archetyp des Science-Fiction-Noir-Katastrophenfilms gehandelt.

Das Schauspielhaus Graz bringt ein Projekt über den Stummfilmklassiker mit drei Schauspielern und den Grazer Film- und Projektionskünstlern OchoReSotto auf die Probebühne.  Die Regisseurin Claudia Bauer, bekannt dafür, Monumentalstoffe ganz klein einzudampfen, erarbeitet ein Projekt zu ausgewählten Aspekten rund um den Mythos Metropolis. Eine szenische Exposition und rasante Reise durch Thea von Harbous Romantexte, Making-off Momenten und Schlaglichtern auf aktuelle wie damals im Film geführte oder aber auch sträflich vernachlässigte Diskurse, wie z. B. Klassengesellschaft, Mensch-Maschinenverhältnis, Individuum und Arbeit oder Kapitalismus.
OchoReSotto wird auf der Bühne mit live an einem abgefilmten Stadtmodell ein visuelles Bühnenbild erschaffen wobei Fritz Langs revolutionäre Filmtricks erprobt und weitergeführt werden.

PRESSESTIMMEN

„Sensationelle Bühnenversion. Fritz Langs Kultwerk ‚Metropolis‘ als geniale Bühnenversion. Regisseurin Claudia Bauer wagt sich auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses an das Kultwerk und überrascht mit einer auf Eckdaten und inhaltliche Kontroversen konzentrierten, cleveren Adaption. Exzellent Katharina Klar, Franz Josef Strohmeier und der über sich hinauswachsende Franz Solar im Kapitalismusmärchen mit finalem Ausblick in ein österliches Paradies (Bühne und Kostüme: Hendrik Scheel). Der geniale Wurf gelingt dem OchoReSotto-Tem Volker Paul Sernetz und Stefan Sobotka. Die weit über die Grenzen bekannten Grazer Künstler, deren Markenzeichen das Überlagern von Visuals mit Videokameras ist, agieren nicht nur filmerisch aktiv und frei Hand. Über eine einsehbare, raffinierte Video-Welt-Maschine projizieren sie ein technisch und ästhetisch bis ins kleinste Detail Atem raubendes, neues Metropolis. Sensationell!“
(Elisabeth Willgruber-Spitz, Kleine Zeitung, 21. März 2010)

„Dem ‚Mythos Metropolis’ hat sich Regisseurin Claudia Bauer in ihrem Theaterexperiment auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses verschrieben. Mit nur drei Schauspielern und den Videokünstlern von OchoReSotto ist ich ein exzessiver, wilder und fesselnder Abend gelungen. Katharina Klar, Franz Solar und Franz Josef Strohmeier geben alles. Sie zeigen die breite Palette von Wut und Verzweiflung bi hin zu Liebe und Hoffnung, toben durch diesen Abend, der mit großem Vergnügen die Bahnen des Gewohnten verlässt. Ein erfrischendes Argument für die Probebühne als Ort der etwas freieren Formen, eine gelungene Produktion!“
(Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 21. März 2010)

„Am 19. Februar, auf der letzten Berlinale, wurde die um ein Viertel längere ursprüngliche Szenenfolge gezeigt – ein sensationeller Fund aus dem Museo del Cine von Buenos Aires machte dies möglich. Und bereits am 19.3. (!) hatte die eingedickte, gleichzeitig trashig dekonstruierte Variante des Filmklassikers von Fritz Lang auf der Probebühne des Schauspielhaus Graz Premiere: Ebenfalls eine Sensation. Die kleine Truppe der Regisseurin Claudia Bauer verdichtet den einflussreichen Stoff (Matrix, Blade Runner, Alphaville, Wetworld, un nur einige zu nennen …) und wird dabei vom Team von OchoReSotto unterstützt. Volker Sernetz und Stefan Sobotka projizieren Life-Videos kleiner Modelle auf die Bühnenwand oder gehen mit der Kamera umher. Indem sie das selbstverständlich und unauffällig machen, werden sie zu stillen Mitspielern in dieser bemerkenswerten Produktion. Absolut empfehlenswert, nicht nur für SF-Fans.“
(Willig Hengstler, Korso, April 2010)