PREMIERE: NORA oder EIN PUPPENHAUS

15. Februar 2012

von Henrik Ibsen

Premiere am 16. Februar um 19.30 Uhr, Hauptbühne.


Torvald Helmer ist zufrieden mit sich und seinem Leben: Demnächst wird er zum Bankdirektor befördert, zu Hause hat er drei gesunde Kinder und mit „Norachen“ eine zauberhafte Frau. Nora hütet ein dunkles Geheimnis. Vor Jahren fälschte sie bei Rechtsanwalt Krogstad einen Wechsel, um ihrem schwerkranken Gatten damit die Kur zu finanzieren, die sein Leben rettete. Unter dem nun genesenen angehenden Direktor Helmer soll ausgerechnet Krogstad entlassen werden. Der Rechtsanwalt wird zum rücksichtslosen Erpresser: Nora soll ihren Gatten umstimmen, denn es geht Krogstad nicht allein ums Geld, sondern um die erfolgreiche Teilhabe an der Gesellschaft. Schon einmal war er ausgestoßen;
das soll ihm nicht wieder passieren. Er giert nach mehr: Die Wiederanstellung reicht nicht, er möchte ganz nach oben! Und so nimmt Noras einstiger Fehltritt monströse Ausmaße an: Ihr Mann findet den Erpresserbrief, sieht seine Reputation gefährdet und beschimpft seine Frau aufs Übelste. Nora hat keine Illusionen mehr über ihre langjährige Rolle an der Seite ihres Mannes. Und als Krogstad endlich von der Erpressung Abstand nimmt, und Helmer seiner Frau auch noch großzügig „verzeiht“ ist für sie das Maß voll ... Unter dem Deckmantel moralischer Integrität dreht sich alles ums Geld. Der Aufsteiger Helmer ist bereit, für seine Karriere die Frau zu opfern, die ihm das Leben rettete. Ohnehin hasste er nichts mehr als Noras  „Verschwendungssucht“, und jede seiner Gefühlszuwendung hat ihren Preis.
Wissenschaftler unserer Tage sprechen von einer wachsenden Ökonomisierung unserer Lebensstile. Als kritische Beschreibung der Liebe als reiner Tauschwertbeziehung hat Nora bis heute nicht an Sprengkraft verloren. Ibsen zeichnet ein Bild menschlicher Beziehungen, die von Status, Macht und Besitzdenken bestimmt sind, und Geld ist der Kitt, der zur Not auch unerträgliche Beziehungen zusammenhält.

Henrik Ibsen, geboren 1828 in Skien, Norwegen, wurde als Sohn aus angesehenem Hause nach dem väterlichen Bankrott früh Zeuge der Schattenseiten des prosperierenden Bürgertums. Mit seinen zeitkritischen Gesellschaftsdramen wurde er bahnbrechend für den Naturalismus (u. a. Baumeister Solneß, Gespenster).

Wojtek Klemm, geboren 1972 in Warschau, gehört zu einer neuen kritischen Regiegeneration Polens und wird als solcher auf internationalen Festivals wie dem Dialog-Festival Breslau oder dem Boska Komedia-Festival Krakau gefeiert. 2007 – 2009 war er künstlerischer Leiter des profilierten Teatr Norwida in Jelena Góra. Seit seines Regiestudiums an der Berliner Hochschule Ernst Busch lebt und arbeitet er aber immer wieder im deutschsprachigen Raum, wie z.B. an der Volksbühne Berlin, am Deutschen Theater Göttingen und 2000/2001 auch bereits am Schauspielhaus Graz.

Inszenierung Wojtek Klemm Bühne Mascha Mazur Kostüme Julia Kornacka Musik Dominik Strycharski Choreographie Maciej Prusak Dramaturgie  Christian Mayer 

Mit Evi Kehrstephan (Nora), Simon Zagermann (Helmer, ihr Gatte), Claudius Körber (Dr. Rank), Verena Lercher (Frau Linde), Gerhard Liebmann (Krogstad)

Bei Angabe des Bildcredits (c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz ist das Bildmaterial zur honorarfreien Verwendung freigegeben.


Bilder: