PREMIERE: BARTLEBY oder SICHERHEIT IST EIN GEFÜHL

07. Mai 2012

Uraufführung am 10. Mai um 20 Uhr, Probebühne.

„Ich möchte lieber nicht“, sagt Bartleby mit leiser Stimme zu seinem Chef, als dieser ihn zum Arbeiten auffordert. Der rätselhafte junge Mann aus Herman Melvilles gleichnamiger Erzählung ist Aktenkopist in einer Anwaltskanzlei. Zunächst fällt er durch stillen, schweigsamen Fleiß und höfliche Zurückhaltung auf, beginnt dann von einem Tag auf den anderen, sich weder für noch gegen einen angebotenen Lebensentwurf zu entscheiden. Er entscheidet sich schließlich nicht einmal mehr fürs Essen, mit der Folge, dass er verhungert. Damit wird er zum Bild der größtmöglichen Erfüllung von persönlicher Freiheit und ihrer Perversion zugleich. „Ich möchte lieber nicht“, heißt die Formel, mit der er freundlich und sanft das Weltbild aller erschüttert, die ihm begegnen.

Ausgehend von Bartlebys Satz unternimmt Regisseur Boris Nikitin zusammen mit Katharina Klar und Lorenz Kabas eine theatrale Spurensuche nach dem Nicht-erfüllen-Wollen, Nicht-handeln-Können und der Sehnsucht, nein zu sagen in Zeiten scheinbar unbeschränkter Möglichkeiten und allgegenwärtiger Beschleunigung. Ist Bartlebys „Ich möchte lieber nicht“ nur eine Verweigerung? Oder ist es der erste Schritt aus den Fesseln des vermeintlich Zwangsläufigen, hin zu einem Bereich, der für das Menschsein immer schon existenziell war: das Mögliche? Wie wäre es, wenn wir von der vorhandenen Möglichkeit, „Ich möchte lieber nicht“ zu sagen, Gebrauch machen würden – im Theater und im Leben?

„Sagt jemand, dass man etwas muss, dann ist das immer ein guter Hinweis dafür, dass sich eine Norm dahinter versteckt. Unter persönlicher Freiheit verstehe ich unter anderem, diese Normen zu erkennen, mit ihnen zu spielen, möglicherweise ihnen zu widerstehen. Theater ist für mich interessant als Versuchsmaschine für Handlungs- und Denkoptionen. Und Theater selbst ist eine Handlungs- und Denkoption. “ (Boris Nikitin)

Boris Nikitin, geboren 1979 in Basel, studierte Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen. In Graz erarbeitete er in der Spielzeit 2011/12 den szenischen Essay Der Fall Dorfrichter Adam, eine Recherche zum Thema Glaubwürdigkeit. Das Projekt wurde zum Heidelberger Stückemarkt 2011 eingeladen.

Mit Lorenz Kabas, Katharina Klar

Konzept & Regie Boris Nikitin Konzept und Ausstattung Matthias Meppelink Dramaturgie Regula Schröter

Weitere Vorstellungen am 19. und 29. Mai, sowie am 6. und 16. Juni, jeweils 20 Uhr, Probebühne.

Bei Angabe des Bildcredits (c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz ist das Bildmaterial zur honorarfreien Verwendung freigegeben.

 

 


Bilder: