Imperiumvon Götz Spielmann


„Zentrales Leitmotiv von Imperium ist das ‚Ich‘ und seine Position im gegenwärtigen Denken, zentrale Figur ist ein egozentrischer Machthaber aus dem Rotlichtmilieu. Ein interessantes Milieu, nicht weil es so anders als der Rest der Gesellschaft, sondern weil es so ähnlich ist. Ein zugespitzter Spiegel dessen, was Gesellschaft ausmacht.“ (Götz Spielmann)

Wessely, ein erfolgreicher Bordellbesitzer, hält die Fäden, an denen sein geschäftliches und privates Imperium hängt, fest in den Händen. Alles ist erreicht, die Konten sind prall gefüllt, die Familie führt ein gesichertes Leben. Bis Wessely bei einer Routineuntersuchung mit der Diagnose einer unheilbaren und schnell fortschreitenden Krankheit konfrontiert wird. Mit diesem Wissen nimmt er sich selbst und sein Umfeld zum ersten Mal mit geschärften Sinnen wahr. Sein Geschäft ist bedroht: behördliche Schikanen und Razzien in seinen Clubs, Erpressung von Investoren gehen Hand in Hand mit der gezielten Unterwanderung seiner Person im privaten Bereich. Zum ersten Mal in seinem Leben richtet er seinen Blick nach innen – und diese innere Welt beginnt, Realität anzunehmen und die äußere zu überwuchern.

Götz Spielmann, konsequenter Autorenfilmer Österreichs, dessen jüngste Produktion Revanche als einer der fünf besten nicht-englischsprachigen Produktionen für den Oscar 2009 nominiert war, inszeniert sein Stück Imperium selbst am Schauspielhaus Graz. In der Rolle des Wessely ist Peter Simonischek zu sehen.

 




Pressestimmen:

„Er ist ein Spezialist im geradlinigen Erzählen von eigentlich Ungereimtem. Vermeintlich eindeutige Beziehungs-Konstellationen bekommen in Götz Spielmanns Geschichten Schräglagen, münden in Katastrophen, weil einer mutig wird, sich nicht hält an Konventionen, ausbricht aus dem Erwarteten. Das ist psychologisch ohne Brimborium gezeichnet. Da hat es Witz, wenn der Autor als sein eigener Regisseur im Schauspielhaus für die Rolle des Wessely den Salzburger-Langzeit-„Jedermann“ Peter Simonischek einsetzt. Jedermann als Bordell-Kaiser. Simonischek hat Bühnenpräsenz. Den vierschrötigen Kerl, der die längste Zeit in sich geruht hat und sich nicht so leicht verunsichern lässt, nimmt man ihm jederzeit ab. Dieser Jedermann-Wessely verdient uneingeschränkt unsere Sympathie.
In Simonischeks Sog und in der präzisen Regie von Götz Spielmann kommt es zu einer bemerkenswert schlüssigen Ensembleleistung. Eine Stärke der Inszenierung ist, dass sie Lokalkolorit eigentlich nur zart andeutet. Wessely könnte auch Manager in einem Konzern sein.“

(Reinhard Kriechbaum, Nachtkritik, 11. Februar 2010)

„Personenkonzentrierte Aufführung in streng-schönem Bühnenbild.
Der Autor brachte sein 2007 uraufgeführtes Werk im Schauspielhaus selbst auf die Bühne und ließ in einer schlichten, schnörkellosen Aufführung vor allem Peter Simonischek in der Rolle des Bordellbesitzers den Abend tragen. Götz Spielmann, dessen oscarnomminierter Film ‚Revanche’ ebenfalls im Rotlicht-Milieu spielt, folgte in seiner Inszenierung einer klaren Linie, die sich nicht mit Details oder blumigen Ausschmückungen aufhält. Reduziert und zurückgenommen – die Örtlichkeiten werden mit Licht und ganz wenigen Versatzstücken ausreichen gekennzeichnet – entstand eine sehr genaue Inszenierung, die zum Zuhören zwingt. Ein großer Pluspunkt der Aufführung ist das Bühnenbild von Martin Warth, ein Halbrund mit einigen Stufen und verschiebbaren Wänden in Schwarz und Weiß, das nur mit Licht farblich akzentuiert wird und die strenge Linie der Regie bestens zur Geltung kommen lässt. Peter Simonischek prägt die Figur des Bordellbesitzers, lässt sie durch Blicke und Gesten, die niemals augesetzt wirken, Leben gewinnen. Simonischek beschönigt nichts, verharmlost nicht, zeigt den skrupellosen Geschäftemacher mit menschlicher Ware ebenso wie den Familienvater, der sich zu Hause eine heile Welt bewahren will. Er beeindruckt durch die Echtheit seines Spiels, bei dem es nie um Effekte, sondern immer um Inhalt geht.
Hervorragend auch Steffi Krautz als in die Jahre gekommene Hure, die von einem eigenen Café träumt und von ihrem Chef fast als Teil des Mobiliars benutzt, aber kaum wahrgenommen wird. Andrea Wenzl ist eine unangepasste Tochter, die vom anrüchigen Milieu magisch angezogen wird, ohne seine Härte zu begreifen. Gustav Koenigs und Verena Lercher zeigen in ihren Doppelrollen Profil, und als Ehefrau, die ihren Mann kennt und die Augen vor der Realität verschließt, passt sich Claudia Martini gut an.“
(Karin Zehetleitner, APA, 12. Februar 2010)

„Ein starkes Ensemble um Peter Simonischek und ein faszinierendes Bühnebild prägen Götz Spielmanns ‚Imperium’.
Götz Spielmann hat sein 2007 geschriebenes Stück geschickt in kurzen, sich überlappenden Szenen inszeniert. Sein ‚Memento mori’ dreht sich um Macht, Verlust und Identität, aber auch um Isolation in der Gesellschaft. Spielmann liefert einen durchwegs starken Text über die harten Geschäfte des Lebens, die hier mit Lieferanten von Frischfleisch für den Strich nur pars pro toto im Gunstgewerbe angesiedelt sind. Ein Star des Abends ist zweifellos das kühl-poetische, nicht nur in seiner Funktion faszinierende Bühnenbild von Martin Warth samt atmosphärischer Lichtregie (Thomas Trummer9 und sprechender Musik (Jörg Gollasch). Viel Applaus für das psychologische Kammerspiel, das wegen des großen Andrangs zweimal Premiere hätte feiern können.“
(Michael Tschida, Kleine Zeitung, 13. Februar 2010)

„Starke Lebenskrise.
Das Schauspielhaus Graz schwimmt auf einer Erfolgswelle. Mit dem vom Autor Götz Spielmann selbst inszenierten ‚Imperium’ hat das Haus wieder einen Trumpf ausgespielt. Martin Warths in seiner hochästhetisch-abstrakten Art fas an Neu-Bayreuth erinnerndes Bühnenbild ermöglicht mit seinen blitzschnell zugeschalteten Requisiten maximale Nähe zum Filmschnitt. Die Darsteller sind grandios. Peter Simonischek zeichnet Wesselys Weg vom stets entschlossenen unternehmerischen Kraftpaket zum sensiblen Sterbenden sympathisch und eindrucksvoll. Gustav Koenigs sehr überzeugend auch als Arzt Konrad. Bemerkenswert Steffi Krautz’ Charakterbild als Wesselys Privathure Anita, die aus enttäuschter Liebe zur Denunziantin wird. Wärmstens empfohlen.“
(Dolf Stockhausen, Woche, 17. Februar 2010)




Videos:

Trailer zu IMPERIUM



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