Minna von Barnhelmvon Gotthold Ephraim Lessing


Major von Tellheim ist am Ende. Gegen ihn, der als Soldat und moralische Person höchste Anerkennung genossen hat, läuft ein Verfahren wegen Unterschlagung; er ist kriegsverletzt und völlig mittellos. Deshalb hat er den Kontakt zu seiner reichen Verlobten Minna von Barnhelm abgebrochen. Die macht sich auf und reist, nur in Begleitung ihrer Kammerzofe und Freundin Franziska, durch das kriegsverwüstete Land, um Tellheim zu finden. In einem heruntergekommenen Wirtshaus treffen sie zufällig aufeinander: Der Mann, der sich in seinem Unglück vergraben hat und die Frau, die ihn mit aller Liebe zurückgewinnen will. Sie liefern sich einen Kampf um Werte, streiten über Glück, Ehre, Gleichheit der Geschlechter. Minna versucht, Tellheims bitteres Selbstbild als „Bettler und Krüppel“ zu entdramatisieren: Das Verfahren sei nicht entschieden, sein Leumund gut und so ein Schuss in den Arm keine schlimme Behinderung – vergebens. Als die Argumente versagen, beginnt sie ein Spiel, um ihren unglücklichen Geliebten zu kurieren. Es ist ein Spiel der Intrigen, bei dem sie alles gewinnen oder verlieren kann.
Der große Menschenfreund Lessing schrieb seine berühmte Komödie 1763 unmittelbar nach dem Friedensschluss zwischen Preußen und Österreich, der den Siebenjährigen Krieg beendete. Ohne eigentlichen Gewinner hatte dieser Europa großräumig und auf Jahre hinaus verwüstet.

Vor diesem Hintergrund erzählt Lessing seine Geschichte vom Sieg der Intelligenz über die vermeintlich gültigen Vorstellungen von Ehre, Pflicht und Männlichkeit. Als wirksamste Waffen gegen die selbstverschuldete Unmündigkeit erweisen sich dabei: das Spiel – und der Humor.
 




Pressestimmen:

„Wie schon bei Hebbels Judith in der letzten Saison hat Regisseur Elmar Goerden die Patina abgekratzt und schafft es, Lessings fast 250 Jahre alte Minna von Barnhelm heute noch als Lustspiel auf die Bühne zu bringen. Er macht in seiner Inszenierung Tempo, sorgt für fließende Übergänge und jongliert mit dem Text. […] Antiquiert wirkt nichts, die historisch inspirierten Kostüme (Lydia Kirchleitner) werden durch die schlecht sitzenden Perücken und Badeschlapfen (bei Just) gebrochen. Der kurzweilige Abend wird zum Triumph für Sophie Hottinger, die als sächselnde Kammerzofe endlich wieder einmal ihr komödiantisches Talent auf der großen Bühne ausspielen darf. Sie braucht keine großen Gesten, sie hat’s im kleinen Finger. Eie mit Zwischenapplaus bedachte Topleistung.“
(Christian Ude, Kleine Zeitung, 24. Oktober 2011)

„Eine sehr frische und überaus komische Version. […] Das liegt nicht zuletzt an einer geradezu entfesselt aufspielenden Sophie Hottinger. Goerden zelebriert in seiner Fassung die Wortgefechte zwischen Minna und Tellheim, filtert manche immer noch aktuelle Wahrheit aus dem Text, ergänzt ihn recht locker dort, wo er es für nötig erachtet. Man hat in dieser Inszenierung nicht unbedingt das Gefühl, Menschen zu begegnen, die sich anachronistische Scharmützel liefern, sondern einem modernen Paar, dessen Beziehung auf der Kippe steht.“
(Michaela Reichert, Kronen Zeitung, 24. Oktober 2011)


Youtube Videos:


Schauspielhaus Graz: Trailer zu MINNA VON BARNHELM