Ein Sommernachtstraum


Lysander und Demetrius lieben Hermia. Hermia liebt Lysander, doch sie soll auf Befehl ihres Vaters Demetrius heiraten. Sie flieht mit ihrem Geliebten Lysander in den Wald. Helena, die Demetrius liebt, erzählt diesem von der Flucht. Demetrius verfolgt die Liebenden, Helena verfolgt verliebt Demetrius. Im selben Wald, in dem die vier umherirren, proben auch der Handwerker Zettel und seine Genossen ein Theaterstück. Elfenkönig Oberon zürnt seiner Gattin Titania, weil sich die – verliebt in einen Edelknaben – ihm verweigert. Sein Diener Puck soll mit Magie dafür sorgen, dass Demetrius nicht mehr Hermia, sondern Helena liebt. Doch der verwechselt Lysander mit Demetrius. Ein Gefühls- und Liebeschaos mit fatalen Folgen nimmt seinen Lauf. Doch nicht genug: Oberon befiehlt Puck, Titania als Rache im Schlaf einen Zaubersaft in die Augen zu träufeln, der sie in Leidenschaft zum ersten Wesen entbrennen lässt, das sie beim Erwachen erblickt. Und das ist just der prahlerische Handwerker Zettel, dem Puck einen Eselskopf angehext hat, und den sie jetzt für einen Liebesgott hält.
Shakespeares Sommernachtstraum ist mehr als ein Ausflug in eine traumhafte Phantasiewelt. Dunkel zeigt sich im Wald die Kraft der Natur, in der sich unterdrückte Energien, Instinkte und Sehnsüchte entladen, die das menschliche Begehren bestimmen.

Die karnevaleske Welt der sich aufhebenden Grenzen zwischen Wirklichkeit, Wahn und Vernunft ist Material für den ungarischen Theatererfinder Viktor Bodó. In seiner sechsten Produktion am Schauspielhaus inszeniert er Shakespeares Traumstück über die unheimliche Macht der Liebe mit Schauspielern der Szputnyik Shipping Company und dem Ensemble des Schauspielhauses.



 




Pressestimmen:

„Der virtuose Theatermacher, dem Graz etliche herausragende Inszenierungen verdankt, fügt der an Irrungen und Wirrungen reichen Brunftpirsch im attischen Zauberwald, die ohnehin schon auf mehreren Handlungsachsen rotiert, noch einige lebhaft wirbelnde Schwungscheiben hinzu. Bodó kehrt den Beginn um, setzt, in einer heruntergekommenen Werkstätte, die Handwerkerszene an die Spitze und lässt, vor allem dank der erneut grandiosen Theater-Artisten der Szputnyik Shipping Company, dem Slapstick und der Situationskomik viel freien Lauf. Viktor Bodó nimmt auch als Motivator eine Sonderstellung ein, das Ensemble dankt es ihm mit großen Ambitionen und Spielwitz und verführt allen voran Thomas Frank als moderierfreudiger Puck, Pia Luise Händler (Hermia), Katharina Klar (Helena), Sebastian Reiß (Zettel) und Jan Thümer (Theseus, Oberon), in eine scheinbar leichte Welt der Gaukelei, in der aber eine ernste Erkenntnis steckt: Diese Welt ist, was der Phall ist.“
(Werner Krause, Kleine Zeitung, 16. Jänner 2012)

„Die ‚freie Szene’ hat Bodó in Form seiner Szputnyik Shipping Company mit nach Graz gebracht und sie klug unters Schauspielhaus-Ensemble gewürfelt. Sie sind das Herzstück seines Abends. Er hat den ‚Sommernachtstraum’ nicht durch einen Freud’schen Fleischwolf gedreht, psychologisiert nicht an den Figuren herum, sondern stellt einen Gute-Laune-Abend hin. An dem auch die guten Ideen nie ausgehen. Von der Musik (Klaus von Heydenaber komponierte sich von Walzer-, Jazz- bis zu Gespensterklängen), über Tanzeinlagen bis zum Bühnenbild von Pascal Raich. Er verwandelt den Zauberwald in einen Wäscheboden. Von BHs bis zum Leintuch hängt hier Frischgewaschenes zum Trocknen. Zwischen diesen Wäscheleinen verfangen sich die Parteien im Liebesspiel.“
(Michaela Mottinger, Kurier, 16. Jänner 2012)

„[…] frech, hochamüsant und gescheit. Bodó lässt die Schauspieler immer wieder aus ihren Rollen treten und zeigt, dass er meint, was er den leidenschaftlich ins Theater verliebten Handwerker Klaus Zettel (Sebastian Reiß) sagen lässt: ‚dass Ein Sommernachtstraum das schlechteste Stück Shakespeares ist’. Was ihn nicht daran hindert, einen guten Abend daraus zu zimmern. […] Am Ende gibt es glückliche Paare, eine Aufführung von Pyramus und Thisbe, die dank Sebastian Reiß und Péter Jankovics zum komödiantischen Höhepunkt wird, und ein glückliches Publikum.“
(Colette M. Schmidt, Der Standard, 16. Jänner 2012)

„Alle Szenen der Athener Handwerker, die für Theseus und Hippolyta ein Stück im Stück spielen, sind vom in Graz bestens bekannten Regisseur Viktor Bodó mit kauzigem Witz und vergnüglichem Slapstick aufgeladen. Dass selbst ein aus dem Fax-Gerät ratterndes Papier über theatralische Qualitäten verfügen kann, beweist Bodó auf eindrucksvolle Weise. […] Um nur keinen bildungsdurstigen Theaterernst oder gar Shakespeare-Verbeugungen aufkommen zu lassen, bricht Bodó permanent die Handlung. Beispielsweise mit Puck als euphorisiertem Fan des Grazer Schauspielhauses, der nicht nur der Direktorin üppig Blumen streut: ‚Anna Badora, danke!’ auch Feen König Oberon und Puck halten in ihren Texten ein, reflektieren die Qualität ihres Spiels, zumal ja ein Kritiker von ‚Theaterheute da sein könnte’.  […] Shakespeare ist der Ideengeber für ein rasantes Spiel über die Sehnsucht. Souverän im Ernst und im Klamauk agiert Jan Thümer als Theseus und Oberon. Ihm zur Seite steht die sinnliche Ausstrahlung von Kata Petö als Hippolyta und Titania. Thomas Frank vermag als variantenreicher Puck sein Potenzial auszuschöpfen. Erinnerungen an Otto Walkes werden wach, wenn Sebastian Reiß als Klaus Zettel oder als Esel über die Bühne hopst und rollt. Aus der Handwerkerriege ragt der gestisch wie mimisch fulminante Péter Jankovics.“
(Martin Behr, Salzburger Nachrichten, 16. Jänner 2012)

„[…] Bodó erlaubt sich einen Riesenspaß mit der Institution Theaters. […] Von Anfang an spielt Bodó humorvoll mit den Mitteln des Theater, zaubert köstliche Tanzeinlagen der Handwerker, unterbricht die Handlung immer wieder durch Extempores. Bodós Akteure sind genau solche Theaternarren wie ihr Regisseur. Mit unabbändiger Spielfreude werfen sie sich ins Geschehen. Eine Klasse für sich ist wieder einmal Klaus von Heydenabers Musik, die von einem sechsköpfigen Ensemble perfekt umgesetzt wird.“
(Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 16. Jänner 2012)

„In Viktor Bodó hat das Schauspielhaus Graz längst so etwas wie einen Hausregisseur gefunden, aus seiner Szputnyik Shipping Company reichert man das eigene Ensemble alleweil um schräge Typen an. Dass dabei ein tollkühnes Sprachengewirr herauskommt, […] macht nichts. Bodós Inszenierungen steuert man nicht wegen der geschliffenen Rede an, sondern um sich hineinziehen zu lassen in Imagination und Theater-Wunder. […] Bodós Weg zum Stück ist, wie er im Programmheft kundtut, einer über Ensemble-Improvisation. Jede Figur ist typgerecht perfekt aus dem jeweiligen Darsteller, aus der jeweiligen Typen-Konstellation heraus entwickelt.“
(Reinhard Kriechbaum, Nachtkritik, 15. Jänner 2012)

 



 


Youtube Videos:


SCHAUSPIELHAUS GRAZ: Trailer zu EIN SOMMERNACHTSTRAUM