Wanda (UA)


„Wanda beschloss, sich mit dem Feind zu identifizieren, nahm seine Sprache an, seine Sitten und gab ihre Seele, die niemand hier so richtig wollte, für Sicherheit und Wohlstand, die Möglichkeit Wunder zu bewirken für jene fernen nahen Verwandten aus der Kindheitsheimat.“
Lilka Dyderskas Textsammlung Wanda zeigt ambivalente Momentaufnahmen vom Ankommen und Fremdsein in einer Effizienzgesellschaft. Die junge polnische Autorin beleuchtet die Überlebensstrategie Arbeit und verdichtet fragmentarische Geschichten übers An- und Wegtrainieren von Identität zu einem Kaleidoskop des menschlichen Hungers nach Wertschätzung und Erfolg.




Pressestimmen:

„Die polnische Sage um Wanda, die Königin, die ins Wasser geht, um ihr Volk zu retten und nicht die Ehe mit einem deutschen Feind eingehen zu müssen, steht im Hintergrund des Stückes. Lilka Dyderska lässt ihre Wanda aber den Weg der Anpassung und Selbstverleugnung gehen, um sich in Berlin in einem harten Job bis an die Spitze durchzusetzen. Dabei stehen Selbstzweifel ebenso im Weg wie Erinnerungen.“
(APA, Karin Zehetleitner, 4. März 2012)

„Die polnische Autorin Lilka Dyderska hat einen dichten Text über Migration, Identität und Anpassung geschrieben. Drei Schauspielerinnen, Pia Luise Händler, Katharina Klar und Birgit Stöger und ein Schauspieler, Sebastian Reiß, geben in flotten, chronologisch gebrochenen Wechsel verschiedener Charaktere aus der alten und der neuen Heimat Wandas. […] Die Regie lässt keine Langeweile aufkommen, die Schauspieler halten das Tempo und stehen am Ende vor einem Kofferberg (schöne Ausstattung Monika Rovan), der aus den Resten von Wandas konsumbestimmten Leben besteht.“
(Colette M. Schmidt, Der Standard, 6. März 2012)

„ ‚Du musst lernen ich zu sagen’: Das ist ein zentraler Satz im Text von Dyderska, der ausschnitthaft und nicht chronologisch die Stationen und Gefühle einer Migrantin im vermeintlich goldenen Westen erzählt. […] Es sind Kurzgeschichten von Ankommen und Sich-fremd-Fühlen, von Sehnsüchten und Enttäuschungen, von Anpassungsstrategien und alten Erinnerungen, die in dem einstündigen Stück szenisch umgesetzt werden: Ein Frauenleben zwischen Assimilierungsbereitschaft und privater Not, zwischen Existenzangst und dem verführerischen Duft des Erfolges. ‚Wie fühlt man das hier und Jetzt?’, heißt es einmal. Die Antworten bilden das Gerüst im von der Grazer Schauspielhausdirektorin eindringlich inszenierten Stück.“
(Martin Behr, Salzburger Nachrichten, 5. März 2012)

„Die junge polnische Autorin bietet in ihrem text eine kraftvolle Auseinandersetzung mit dem, was es heißt, seine Heimat zu verlassen, seine Identität aufzugeben. […] Die DarstellerInnen schlüpfen abwechselnd in die Rolle der Wanda wie auch diverser anderer Figuren. Alle vier liefern dabei eindrucksvolle, vielschichtige Leistungen.“
(Michaela Reichert, Kronen Zeitung, 5. März 2012)