John Gabriel Borkmanvon Henrik Ibsen


Kooperation mit dem Theater in der Josefstadt

Der ehemalige Bankdirektor John Gabriel Borkman hatte vor Jahren mit waghalsigen Transaktionen seine Bank in den Ruin getrieben. Neben dem Geld seiner Kunden hatte er auch sein gesamtes eigenes Vermögen verspekuliert. Nicht die Gier hätte ihn angetrieben, nein, er habe das Allgemeinwohl der Gesellschaft vor Augen gehabt und wollte „ ... für Tausende Wohlstand schaffen!". Nach fünf Jahren im Gefängnis und acht Jahren in selbstgewählter Isolationshaft wartet Borkman – verbittert über das an ihm begangene Unrecht – vergeblich auf seine Rehabilitierung. Seine Gattin Gunhild hat ihm den Skandal nie verziehen. Sie setzt alle Hoffnung auf ihren Sohn Erhart, der Karriere machen und die in Schieflage geratene Familienehre wieder herstellen soll. Als eines Winterabends Gunhilds todkranke Zwillingsschwester Ella Rentheim auftaucht, von der die Familie seit dem Bankrott finanziell abhängig ist, beginnt ein erbitterter Kampf um den Sohn des Hauses. Alte Wunden reißen auf, denn schon einmal haben sich die Schwestern um einen Mann gestritten: um John Gabriel Borkman, der seine Liebe zu Ella geopfert und Gunhild geheiratet hat, um sich den Weg für seine Karriere als Bankdirektor zu ebnen.

Elmar Goerden inszeniert Ibsens Porträt eines Machtmenschen, der zwischen Größenwahn und Selbstverkennung die Kontrolle über sein Leben verliert. Helmuth Lohner kehrt als John Gabriel Borkman ans Schauspielhaus Graz zurück.

An seiner Seite spielen Nicole Heesters, Andrea Jonasson, Heribert Sasse, Maria Köstlinger und Martin Bretschneider.

Die Inszenierung war in drei Kategorien für den NESTROY 2012 nominiert: Elmar Goerden für die Beste Regie, Nicole Heesters als Beste Schauspielerin für ihre Darstellung der Gunhild Borkman sowie Heribert Sasse als Vilhelm Foldal in der Kategorie Beste Nebenrolle.



 




Pressestimmen:

„Für das Grazer Schauspielhaus wurde die elegante, kalte, graue Ausstattung von Ulf Stengl und Silvia Merlo nur größenmäßig adaptiert. [...] Und so kommt das psychologische Gemetzel der drei Hauptakteure [...] hier beklemmend über die Bühne. Ein Abend der unausgesprochenen Tragödien, unausgelebten Träume, der unterschwelligen Katastrophen – hervorragend gespielt.“
(Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 26. Oktober 2012)

„Luxusbesetzung für Ibsens John Gabriel Borkman im Grazer Schauspielhaus. Drei Nominierungen für den Nestroypreis (Elmar Goerden für die beste Regie, Nicole Heesters für die beste Hauptdarstellerin und Heribert Sasse für die beste Nebenrolle) – an Vorschusslorbeeren besteht keinerlei Mangel für Henrik Ibsens John Gabriel Borkman. Die Inszenierung von Elmar Goerden entstand in Kooperation mit dem Theater in der Josefstadt, nach der Premiere in Wien ist die Tragödie nun im Grazer Schauspielhaus zu erleben. [...] Das Ambiente, angesiedelt in den 1960er-Jahren: ein grauer, kühler Salon, der auch als Bankfoyer eine gute Figur machen könnte. In diesem Umfeld nimmt das Schicksal seinen Lauf. [...] Erteilt wird eine Lektion über verbitterte Gier, die Seelen frisst, präsentiert wird eine Lebensbilanz, die nur Leerstellen hinterlässt. Oder, wie es am Ende heißt: „Zwei Schatten und einen Toten“. Viel Beifall.“
(Werner Krause, Kleine Zeitung, 26. Oktober 2012)

„Elmar Goerden [...] wählt zeitlos die 1960er Jahre – stückentsprechend kühl-ästhetisch das Bühnenbild von Ulf Stengl und Silvia Merlo, sowie die Kostüme von Lydia Kirchleitner – und er arbeitet nicht nur die seelischen Abgründe der Figuren heraus, sondern oft auch den knochentrockenen Humor, der so mancher Doppeldeutigkeit innewohnt, dieses Konzept wird von den Schauspielerinnen und Schauspielern mit Präzision und Engagement umgesetzt, ein Abend der großen Schauspielkunst, der heftig akklamiert wurde.“
(Wolfgang Würdinger, gundl.at, 25. Oktober 2012)

"Regisseur Elmar Goerden hegt bei seinem Josefstadt-Debüt immense Achtsamkeit gegenüber den Charakteren in Henrik Ibsens Kapitalisten-Drama John Gabriel Borkman. Mit großer Zuwendung stiftet er Persönlichkeiten, die die Ibsensche Kühle ganz und gar gegenwärtig ausstrahlen. [...] Elmar Goerden gibt Luft; es gelingt ihm, der Düsternis in Ibsens Drama einen Witz abzuringen, der die maßlosen Ansprüche der Beteiligten in die Schranken weist. […] Dieser Borkman ist stimmig bis ins Detail. Nicht zuletzt haben die Ausstatter (Ulf Stengl und Silvia Merlo) bewiesen, dass die Kunst des norwegischen Designs nicht ausschließlich dem Burgtheater vorbehalten ist: Im edelsten Stil geht diese Familie unter."
(Der Standard, Margarete Affenzeller, 3. März 2012)

"Es existiert also doch, das große Schauspielertheater! Für Henrik Ibsens John Gabriel Borkman hat das Theater in der Josefstadt ein nahezu perfektes Ensemble gefunden. […] Der Anfang ist das Größte des Abends: Das Zusammentreffen der Schwestern Gunhild (Borkman) und Ella wird zu einer Tragödie mit grotesken Zügen. Brilliant agieren dabei Nicole Heesters und Andrea Jonasson! [...] Helmuth Lohner als John Gabriel, als herumwandernder "Wolf" im Obergeschoß zeigt einiges an Skurrilität: Sein Aufbruch in die Zukunft mit Erhart (der ebenso scheitert wie die Pläne der Frauen) wirkt wie letztes Aufbäumen: ein müdes Raubtier, das sich zum Sterben auf wertlose Bankpapiere bettet."
(Kronen Zeitung, Thomas Gabler, 3. März 2012)

"Wer da noch über Stilfragen mutmaßt, über konservatives oder progressives Theater, der muss mehr als die vierte Wand vor dem Kopf haben: Die "Josefstadt" - ja, die - zeigt die berauschend unprovinzielle Inszenierung eines großen Werks der dramatischen Weltliteratur und bietet dafür ein Ensemble internationalen Formats auf. […] Helmuth Lohner verwandelt sich, unvergesslich, in einen fragilen Gewalttäter, einen Riesen vor dem Sturz in Wahn und Tod, wie Ibsen selbst es in seinen letzten Jahren war. Und die fulminante Konversationskomödie, mit der Nicole Heesters und Andrea Jonasson als im Hass verbundenes Zwillingspaar die Aufführung eröffnen! Der kabinettstückhaft perfekte Auftritt Heribert Sasses in einer kleineren Rolle, Maria Köstlinger, Martin Bretschneider, Raphaela Möst: aufregendes Theater in formaler und schauspielerischer Vollendung."
(News, H. S., 8. März 2012)

"Ein fulminanter Helmut Lohner! Präzise gearbeitet, perfekt gespielt, heftig beklatscht. [...] Im Theater in der Josefstadt wird Ibsens vorletztes Werk nun in der Regie von Elmar Goerden und in absoluter Luxusbesetzung gezeigt. Eine Konstellation, der zu danken ist, dass in der tragischen Geschichte vornehme Komik Platz findet. Ibsen, halbwegs heiter? Das geht. Sehr fein sogar. Denn Helmuth Lohner ist ein fulminanter, auch furioser Borkman. […] Umrahmt wird diese schleichende Selbstdekonstruktion von zwei brillanten Diven, zwei bösartigen Königinnen: Nicole Heesters als Borkmans Frau Gunhild und Andrea Jonasson als ihre Schwester und Borkmans erste Liebe Ella. […] Für Ibsens psychologische Untertagesituation schufen Ulf Stengl und Silvia Merlo das exakte Bühnenbild. Ein Bunker, grau, leer, ein Bergwerkstollen für kaputte Seelen, durch den die Einsamkeit weht. [...] Viel Applaus für alle. Zu Recht."
(Kurier, Michaela Mottinger, 3. März 2012)

"Elmar Goerden ist […] eine Inszenierung gelungen, die sogar das Ironische, Lächerliche der Situation hervorhebt, während das platte Gesellschaftskritische diskret bleibt. Der Beginn überzeugt, mit Nicole Heesters als frustrierter, schlicht gekleideter Gunhild in böser Bitterkeit. [...] Jonasson gibt eine Frau mit Herz und Verletzlichkeit, die Konfrontation der Schwestern wird mit Klasse vorexerziert, mit Gesten der Erniedrigung und Beleidigung. [...] Eine eindringliche Vorstellung im Charakterfach bietet auch Helmuth Lohner in der Titelrolle. [...] Richtig interessant wird dieser Borkman aber im Zusammenspiel mit dem Hilfsschreiber Vilhelm Foldal. Ihn könnte man auf das Unterwürfige fixieren, Heribert Sasse gelingt jedoch in dieser Rolle Außerordentliches. Er lässt durchblicken, dass er Borkman sehr wohl richtig einzuschätzen weiß, nämlich als Narr, der glaubt zu schieben und selbst geschoben wird. In den Dialogen dieses Altmänner-Duos erhält das Drama etwas Bitter-Ironisches und in den besten Momenten sogar Aberwitzig-Komisches. Was für ein Alpha-Männchen wird hier vorgeführt!"
(Die Presse, Norbert Mayer, 3. März 2012)

"Regisseur Goerden beweist Feingefühl für die psychologischen Nöte der Figuren, die sich gegenseitig das Leben verpfuschen, eiskalt gehen die beiden Schwestern aufeinander los, voller Neid und Missgunst. [...] Herzenswärme und eine Leidenschaft [...] flackert indes bei der letzten Begegnung von Borkman und Ella auf, dem ehemaligen Liebespaar. Nicht nur in dieser Szene glückt den Darstellern präzise Schauspielkunst. Das Ensemble vermag dem Trauerspiel sogar komische Augenblicke abzutrotzen, etwa wenn Heribert Sasse als Borkmans einzig verbliebener Freund den Abwasch tätigt und eine Jause vorbereitet: alltäglicher Aberwitz im Angesicht der omnipräsenten Katastrophen."
(Wiener Zeitung, Petra Rathmanner, 3. März 2012)

"Lohners outriertes Sprechen mit den rollenden Augen und rollenden Konsonanten und verstrubbelten Resthaaren eines alten Mimen erinnert bald schon an einen dieser Lebensverlierer, die man auch an einem Tresen in Ottakring oder Favoriten treffen könnte, einen gescheiterten Operettentenor mit seinen immer gleich übertriebenen Geschichten vom knapp verfehlten Gelingen. Das ist, wenn Lohner mit den Armen wedelt und seine Sätze nur mehr leise brabbelt und ins Nichts schaut oder wienerisch bitterböse die Mitmenschen anwinselt, ungemein schmierig - und gerade darum nicht mal unpassend."
(FAZ, Dirk Schümer, 3. März 2012)