Die schmutzigen Händevon Jean-Paul Sartre


Ist es möglich, sich in der Politik die Hände nicht schmutzig zu machen? Zumal, wenn man im Krieg lebt und es um die Zukunft eines Landes geht? Der junge Hugo will mit seiner unpolitischen Vergangenheit brechen und schließt sich der Partei an, um im Widerstandskampf aktiv zu werden. Als der Parteifunktionär Hoederer einen Pakt mit reaktionären Kräften eingehen will – aus Sicht der Parteiaktivisten ein Verrat an ihren Idealen – bietet Hugo sich an, ihn zu eliminieren. Um an ihn heranzukommen, wird Hugo sein Privatsekretär; mit seiner Frau Jessica zieht er bei Hoederer ein. Die persönliche Begegnung mit dem charismatischen Hoederer und dessen Argumente, aufgrund der aktuellen politischen Situation vom Kurs der Hardliner der Partei abzuweichen, lassen Hugo den geplanten Mord immer weiter hinauszögern. Erst als er Grund zur Annahme hat, Hoederer habe Jessica verführt, erschießt er ihn. Hugo wird verurteilt. Nach verbüßter Strafe besteht er gegenüber der Partei darauf, dass seine Tat politisch und nicht persönlich motiviert war. Doch die politische Lage hat sich geändert ...

In Sartres Stück greifen Philosophie, Erotik und Politik nahtlos ineinander. Das Stück stellt die Frage nach dem Sinn von Märtyrertum: Geht es um die eigenen Ideale, die Partei, um ein Land oder um die Menschen?

Sartre verbietet vier Jahre nach der Uraufführung in Paris eine geplante Aufführung seines Stückes parallel zum kommunistischen Volkskongress für den Frieden 1952 in Wien, da er fürchtet, sie könne der antikommunistischen Propaganda dienen. Bei einer Pressekonferenz im Hotel Sacher versichert er, seine Sympathien gehörten dem Aktivisten Hoederer, dem Mann mit den schmutzigen Händen.




Pressestimmen:

„Die bedrohliche Atmosphäre in dem von einer hohen Mauer umgebenen Bühnenraum (Mascha Mazur), den das einsatzfreudige Ensemble in den 110 Minuten nicht verlässt, nutzt er [Wojtek Klemm] für Action-Theater, das sich aber nicht in den choreografierten, körperbetonten Aktionen erschöpft. Das von Paul Grilj verantwortete Licht sorgt für einen zusätzlichen Trumpf dieses Abends. [...] Unzählige auf die Mauer projizierte Videos (Jonas Alsleben) – etwa Fahrten durch Grenzgebiete, Luftaufnahmen, Panzereinsätze und Aufmärsche – verdeutlichen als Endlosschleife, dass es keinen Frieden geben wird. [...] Wojtek Klemm kann auf eine optimale Besetzung bauen: Claudius Körber beeindruckt als Hugo auf dessen irrlichternder Suche. Ein Zauderer voller Widersprüche. Körbers Abgang ans Schauspielhaus Zürich im kommenden Herbst wird jedenfalls eine Lücke in Graz hinterlassen. Überzeugend mit jeder Faser und nie zu schrill: Verena Lercher (Jessica) und Evi Kehrstephan (Olga). Simon Zagermann, Franz Xaver Zach, Simon Käser und Fabian Schiffkorn komplettieren das starke Ensemble, das mit kräftigem Premierenapplaus bedacht wurde. [...] Fazit: Eine Geschichte des Scheiterns, die als Bühnenereignis 2013 wohl nur so und nicht anders stehen kann.“
(Christian Ude, Kleine Zeitung, 28. April 2013)

„Claudius Körber, der mit Ende dieser Spielzeit nach Zürich wechselt, gibt den unentschiedenen Intellektuellen Hugo, der vor einem politischen Mord am Parteistrategen Hoederer (Simon Zagermann) zurückschreckt, aber abdrückt, als dieser seine Verlobte (stark: Verena Lercher) küsst, ernsthaft, subtil und mit feinem Humor, etwa wenn er seinen Trolley wie ein Maschinengewehr vor sich herträgt. Auch Evi Kehrstephan überzeugt als Hugos energische Parteigenossin Olga, die weniger fürs Grübeln und mehr fürs Grobe ist.“
(Colette M. Schmidt, Der Standard, 16. Mai)

„Claudius Körber verabschiedet sich von Graz mit einer starken Leistung als Intellektueller Hugo. Sein Konterpart ist Simon Zagermann als kalkulierender Friedensstifter Hoederer. Verena Lercher als sexy Ehefrau Jessica und Evi Kehrstephan als linientreue Olga sind ebenfalls Gegenpole.“
(Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 28. April 2013) 

 


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SCHAUSPIELHAUS GRAZ: Trailer zu DIE SCHMUTZIGEN HÄNDE