Clavigovon Johann Wolfgang von Goethe


Clavigo kämpft. Der talentierte und ehrgeizige junge Journalist steht mit seiner Wochenschrift „Der Denker“ am Beginn einer glanzvollen Karriere in Politik und Gesellschaft. Für bessere Aufstiegschancen bricht er seine wenig prestigeträchtige Verlobung mit der Französin Marie Beaumarchais. Dazu geraten hat ihm sein Künstlerfreund Carlos. Doch plagen ihn Schuldgefühle, denn es ist eine Entscheidung um der Karriere willen und gegen sein Herz. Vom heraneilenden Bruder Maries zur Rede gestellt, unterschreibt Clavigo ein Reuegelöbnis und erklärt sich bereit, sein Eheversprechen einzulösen. Marie, die Clavigo immer noch liebt, vergibt ihm, Beaumarchais zerreißt das Schuldbekenntnis und das Happy End scheint zum Greifen nah. Doch Carlos setzt eine Intrige in Gang, bewegt Clavigo erneut zum Wortbruch und überzeugt ihn, dass außerordentliche Menschen persönliche Verpflichtungen ihrer Bestimmung unterzuordnen haben. Clavigo rudert zurück und die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Johann Wolfgang von Goethes Stück stellt die alles entscheidenden Fragen: Karriere oder Liebe? Außerordentliche Existenz oder ein Leben in bürgerlicher Ordnung? Bedingungslose Selbstverwirklichung oder freiwillige Beschränkung auf ein kleines, in Zuneigung und Treue gegründetes Glück? Goethe schrieb den Clavigo als 25-Jähriger innerhalb einer Woche im Schaffensrausch, nur zwei Monate nach seinem Briefroman Werther. Das Sujet – eine wahre Begebenheit – fand er in den kurz zuvor erschienenen Memoiren seines französischen Zeitgenossens Pierre Augustin Caron de Beaumarchais. Den autobiografischen Zusammenhang mit dem Motiv des treulosen Liebhabers legte der alte Goethe in Dichtung und Wahrheit offen: Das Schuldgefühl gegenüber seiner Jugendliebe Friederike Brion trieb ihn zu einer „poetischen Beichte, um durch diese selbstquälerische Büßung einer inneren Absolution würdig zu werden.“




Pressestimmen:

„Humor, auch schwarzen, beweist Liedtke jedenfalls an diesem Abend durchaus: etwa wenn sie die vor unglücklicher Liebe kranke Marie (Seyneb Saleh) mit ihren morbiden Puppen spielen lässt oder wenn ihre Schwester Sophie (Anna Rot) die eigene Aufgeregtheit über die Rückkehr des potenziellen Schwagers in Aufruhr versetzt. Beide Frauen geben mit ihren ersten Auftritten am Haus einen guten Einstand […] – in einem wunderbaren Bühnenbild von Falko Herold, das von Anfang an aussieht wie die verkaterten, glitzernden Reste einer für immer beendeten Party, einer zwischen trashiger Ironie und einem ernsthaften Versuch, diesen Figuren in ihre gequälten Seelen zu blicken.“
(Colette M. Schmidt, der Standard, 6. / 7. Oktober 2012)

„Ehrgeizling Clavigo, der mit seiner Zeitschrift Der Denker als einer der führenden Köpfe gilt, brach sein Eheversprechen gegenüber der in Madrid lebenden Französin Marie „ohne Stand“, das ihm auf dem Weg zu den Mächtigen keine Hilfe wäre – hat er doch „die Hälfte der Wanderungen noch nicht gemacht“, wie ihm Freund Carlos einflüstert. Marie liebt ihn aber noch, er bekennt Reue oder gibt sie zumindest vor, die Tragödie ohne Gewinner hat längst begonnen.“
(Christian Ude, Kleine Zeitung, 7. Oktober 2012)

„Regisseurin Alexandra Liedtke fokussiert nicht auf einzelne Aspekte, sondern macht die Themenvielfalt selbst zum Thema. Die guten Ideen ihrer Inszenierung sind eng mit dem effektvoll-dreckigen Bühnenbild von Falko Herold verbunden: Carlos und Clavigo dient sie als Schmierzettel, Marie und Sophie als Spielort zuckersüßer Liebesfantasien.“
(Christoph Hartner, Kronen Zeitung, 7. Oktober 2012)

„Mit viel Symbolik hat Alexandra Liedtke das Stück inszeniert: Die Bühne, auf der sich Clavigos Leben abspielt, ist eingerahmt von einem Vorhang aus beschmutztem Papier, Stapel von Zeitungen liegen auf dem Boden herum; Maries aus den Fugen geratene Welt wird hingegen symbolisiert durch eine riesige zuckerlfarbene Hochzeitstorte – immer wieder stürzt sie ein und wird wieder aufgebaut.“
(Beate Goluch, steiermark.orf.at, 5. Oktober 2012)


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Trailer zu CLAVIGO // Schauspielhaus Graz