EINE UNVERHEIRATETE FRAU oder WIE WEIT KOMMT MAN LETZTLICH MIT DER LIEBE?


Ed. Hauswirths Inszenierung geht unmittelbar von Jean-Luc Godards Spielfilm Eine verheiratete Frau aus. Der Film von 1964 zeichnet das Bild einer Frau in den 60er-Jahren, in einer überwiegend männlich dominierten Welt. Sie ist verheiratet, vom Geld des Mannes abhängig, ihre Freiheiten sind begrenzt. Ganz anders als heute, wo jede Freiheit möglich scheint, Ehe und Patchwork-Konstruktionen offensichtlich individuell gestaltet werden. Dennoch bleibt vielen Frauen oft nur die zweifelhafte Freiheit, den Druck der Familien- und Arbeitswelt allein zu tragen. Für eine alleinerziehende Schauspielerin beispielsweise ist der Alltag kaum zu bewältigen. Bleibt die Kunst also nur den flexiblen Frauen ohne Kinder vorbehalten? Vor der Folie einer unverheirateten Frau werden die sozialen und ökonomischen Grundvereinbarungen zwischen Frauen und Männern untersucht. Der Abend schaut auf das Leben und auf das, was es ausmacht: Geld, Zeit und Gefühlsleben. Ganz Mittelstand. Ganz Graz eben.


Besetzung



Pressestimmen:

„In einzelnen Sequenzen wird der Film über eine Frau in den 1960ern in Standbildern in die Jetztzeit übersetzt. Dafür klebt die Protagonistin, alleinerziehende Schauspielerin mit Liebhaber, Kindsvater und Job, Schwarz-Weiß-Kopien als Szenen aus ihrem Leben an Tisch, Sessel oder Wände und schlüpft in alle Rollen. Birgit Stöger brilliert als Zerriebene in einer Zeit scheinheiliger Freiheit. Wenn sie sich eine Plus-Minus-Liste über den Neuen auf nackte Haut malt oder ihr Haushaltsbudget vorrechnet, sind das großartige Momente in einer äußerst intensiven Uraufführung.“
(Julia Schafferhofer, Kleine Zeitung, 23. Oktober 2012)

„Ist die Ehe nun Segen oder Fluch für eine Frau? Und macht die Befreiung aus alten Geschlechterrollen wirklich frei? In ihrem wunderbaren Solo […] reflektiert Birgit Stöger in der Regie von Ed. Hauswirth über das Leben als Eine unverheiratete Frau. […] In Form einer theatralen Coverversion werden Motive und Szenen aus Godards Klassiker aufgegriffen und in die mittelständische Gegenwart überführt. Formell orientiert sich Regisseur Ed. Hauswirth an der Form des Storyboard, macht aus den Bildern aus Marthas Leben aber eine wunderbar unordentliche Zettelwirtschaft. In dieser bewegt sich Birgit Stöger mit einem herrlichen Mix aus kritischer Distanziertheit und vollem Körpereinsatz. Statt Antworten in Form plumper Moralisierungen bieten Hauswirth und Stöger Beobachtungen und (Selbst-)Reflexionen, die unter dem Deckmantel der Ironie große Fragen aufwerfen.“
(Christoph Hartner, Kronen Zeitung, 23. Oktober 2012)

„Jean-Luc Godard nannte Une femme mariée ein ‚Fragment eines 1964 gedrehten Films‘. Von seiner hochintellektuellen Studie geht das gut eine Stunde dauernde Solo für Birgit Stöger aus. […] Regisseur Ed. Hauswirth schreitet die Grenzen der Freiheit aus, indem er unaufgeregt Thematik und Stilistik des experimentellen Kinos zitiert. […] Mit leichter Hand spannt Hauswirth den Bogen von einstigen verwegen-romantischen Mädchenträumen zur Realität der Künstlerin und alleinerziehenden Mutter eines Kleinkindes. Locker ignorieren die ironisch montierten Träume die großen Widersprüche. Sie handeln von Mut und Unterwerfung, von Armut und Macht, von Schönheit und Unabhängigkeit und schaffen die Folie für die Gegenwart, in der immer noch Fragmente dieser Träume die Lebenswirklichkeit von Frauen ausmachen.
Birgit Stöger vermeidet jede Schwere und jede Schärfe. […] Es ist ein gewisses Schweben, das ihre Stärke ausmacht, das optimistische Ausbalancieren eben. Man kann nicht anders, als dieses Fragment amüsiert und gefasst zu bestätigen.“
(Beate Frakele, Der Standard, 27./28. Oktober 2012)

„Mit Birgit Stögers sehr persönlichem Solo Eine unverheiratete Frau, das die Schauspielerin mit Regisseur Ed. Hauswirth entwickelt hat, wurde die Ebene 3 nachhaltig aufgewertet. Der auf Basis des Godard-Films Une femme mariée zwischen feinen Grauschattierungen und Schwarz-Weiß-Fotografien entspannt entsponnene Stöger-Abend ist einfach gut.“
(Hermann Götz, Der Falter, 31. Oktober 2012)