KATZELMACHERvon Rainer Werner Fassbinder


Eine Produktion des Institut Schauspiel der Kunstuniversität Graz • zu Gast im Schauspielhaus

Jugendliche in einem Dorf in der Nähe einer größeren Stadt. Sie treffen einander einzeln, paarweise, schlafen miteinander, schlagen die Zeit tot, sind unzufrieden mit ihren Jobs, haben Sehnsucht nach Geld, Macht und bürgerlicher Anerkennung. In der Gruppe herrscht eine Hackordnung, sie kontrollieren sich gegenseitig und beuten sich aus. Die Mädchen unterordnen sich scheinbar, träumen von der Liebe, sehen über die Rohheit und das schlechte Benehmen der Burschen hinweg, tratschen aber bösartig über andere Mädchen. Lethargie, Stillstand, kleinbürgerliche faschistoide Enge. „Erst als Jorgos, ein Griech aus Griechenland in ihre Welt einbricht und mit seinem „nix verstehn" Aggression dem Fremden gegenüber auslöst, werden die Männer munter, raffen sich auf und schlagen ihn zusammen: Eine Ordnung muß wieder her!“, beschreibt Rainer Werner Fassbinder das Erscheinen des Gastarbeiters in Katzelmacher. Der Gastarbeiter wird zum Anlass ihrer Aggressivität, ist aber nicht die Ursache.

Katzelmacher ist ein frühes Stück, das am Beginn von Fassbinders großer Karriere als Theatermann und Filmemacher stand. Mit der Verfilmung und Auszeichnung des Stückes gelang Fassbinder 1969 sein internationaler Durchbruch. Zu Beginn der Gastarbeiterwelle 1968 geschrieben, ist Katzelmacher ein Stück über Strukturen, Stimmungen, Spannungen und Milieu der nach wie vor existierenden kleinbürgerlichen Gesellschaft. Die Sehnsüchte und die Sexualisierung der jungen Leute sowie ihre Gewaltbereitschaft und Xenophobie Fremden gegenüber wird genau, und nach wie vor aktuell, darlegt.

Katzelmacher ist eine Produktion des Instituts Schauspiel der Kunstuniversität Graz auf der Probebühne des Schauspielhauses

Regie Nina Mattenklotz Ausstattung Johanna Ralser Musikalische Leitung Sandy Lopicic mit Musik Studierenden der Ausbildungsklasse Theatermusik: Petra Slottova (Querflöte, Gesang), Lin Ruei-Cheng (Viola) Jan Kopcak (Tenor Sax) Dramaturgie Evelyn Deutsch-Schreiner
mit Henry Arturo, Christina Cervenka, Dominik Förtsch, Virginia HartmannStephan Hirschpointner, Bettina Langehein, Christoph Radakovits, Tamara Semzov

Foto (c) Alexander Wenzel
Text: Evelyn Deutsch-Schreiner

HIER geht es zur Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG) und HIER zum Institut Schauspiel der Kunstuniversität Graz.



Im Anschluss an die letzten Vorstellung von Katzelmacher am Freitag, 30. Mai, präsentieren die Studierenden das Hörspiel Drinnen von Christiane Kalss auf der Probebühne. Eintritt frei!

Das Ehepaar Wiesniewski unterhält einen Eislaufplatz im Wohnzimmer. Ihre Stammgäste flüchten mit unterschiedlichsten Motiven aus der unübersichtlichen Außenwelt in den geschützten Raum des Eislaufplatzes: Daisy ist als Eiskunstläuferin gescheitert, Konstantin fallen draußen ständig Sachen auf den Kopf, Dina hat Angst um ihre schönen Hände und Marius hat noch was mit Exfreundin Mariann zu klären, die in der Wohnung unter den Wiesniewskis lebt. Und Mariann wundert sich, warum es seit kurzem bei ihr von der Decke tropft …

Drinnen ist eine hintersinnige Komödie über einen absurden Mikrokosmos, in dem sich die Lebenswege verschiedener Personen kreuzen. Christiane Kalss erschafft mit lakonisch-witzigen Dialogen eine Welt, die ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt und dennoch Rückschlüsse auf unsere Realität zulässt.

Im Rahmen des Vertiefungsmoduls Sprechen haben Schauspielstudierende des dritten Jahrgangs der Kunstuniversität Graz eine Hörspielfassung des Stücks erarbeitet.

SprecherInnen:
Herr Wisniewski/Marius - Christoph Nikolaus Radakovits
Frau Wisniewski/Konstantin - Dominik Förtsch
Erzählerin/Mariann - Christina Cervenka
Dina - Tamara Semzov
Daisy - Bettina Langehein

Betreuung:
Regie/Sprecherzieherische Leitung: Aline Hoffmann
Studioleitung: Ulrich Katzenberger
 Toningenieur: Alexander Zwierzina


Vorstellungen

Datum Ort Preis
Fr, 30. Mai 2014
20:00 bis ca. 21:15
Schauspielhaus Probebühne € 16.- / € 8,50 (ermäßigt)
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Pressestimmen:

„Die Darsteller (Christina Cervenka, Virginia Hartmann, Dominik Förtsch, Stephan Hirschpointner, Henry Arturo, Bettina Langehein, Christoph Radakovits, Tamara Semzov) erfüllen das Regiekonzept von Nina Mattenklotz mit Talent und noch mehr Einsatz – das Hoffen und Bangen, die Feigheit und Brutalität, die Hilflosigkeit nehmen fallweise intensiv Gestalt an."
(Martin Gasser, Kronen Zeitung, Steirerkrone, 21. Jänner 2014)

„Lauernder Hass gegen Fremde. Katzelmacher: brisant wie eh und je. Sie rennen gegen die Wand, lungern in Gruppen herum, trinken Bier und dünsten das Aroma des Land-Prekariats aus. Rainer Werner Fassbinders Katzelmacher steht am Programm acht Studierender der Grazer Kunstuniversität – und nach wie vor auf dem gesellschaftlichen Dauerspielplan.“
(Elisabeth Willgruber-Spitz, Kleine Zeitung, 21. Jänner 2014)

„Ganz unprätentiös zeichnet Nina Mattenklotz Mädchen und Jungs, die so an der nächsten Straßenecke herumstehen könnten. Vor denen muss man sich nicht fürchten – eher jede und jeder Einzelne von ihnen vor sich selbst. In stenogrammartigen Szenen wird das Zagen und Zaudern, das plötzlich in unkontrollierten Zorn führt, glaubwürdig umgesetzt. Aber jede und jeder im achtköpfigen Ensemble – es wäre ungerecht, einzelne hervorzuheben – steht auch für eine gesunde Portion Liebenswürdigkeit.“
(Reinhard Kriechbaum, www.nachtkritik.de, 19. Jänner 2014)

„Da blitzen Träume auf, die roh zunichtegemacht werden, die Sehnsucht nach einem anderen Leben und Liebe ("Du hast mich doch lieb, im Herzen und so") wird spürbar, doch was bleibt, sind handfeste Sexualität und einförmiges Dahinleben. [...] Sehr stimmungsvoll ist auch die Musik, die Studenten zusammen mit Sandy Lopicic spielen und die von gleichförmigen Dahintröpfeln bis zum wilden Ausbruch reicht.“
(Karin Zehetleitner, www.kleinezeitung.at, APA, 20. Jänner 2014)