Die Nibelungen


Es ist die Geschichte von Liebe und Macht, Rache und Untergang,angesiedelt in den Anfängen europäischer Zivilisationsgeschichte. Siegfried, der niederländische Heros, kommt an den burgundischen Hof und verliebt sich in Kriemhild, die Schwester des Königs Gunther. Er ist ein willkommener Gast, denn Siegfried ist unbezwingbar, er kämpft gegen Drachen, kann sich unsichtbar machen und ist im Besitz des Nibelungenschatzes. Er geht einen Deal mit den Burgunder-Männern ein: Bezwingt er die isländische Amazone Brunhild für Gunther, erhält er Kriemhild zur Frau. Der Pakt wird geschlossen, doch der Tat der Männer folgt die Rache der Frauen. Brunhild gibt sich mit ihrem Los als Besiegte nicht zufrieden, sie fordert Siegfrieds Tod. Aus Staatsräson kommt man dieser Forderung nach und ermordet den Helden. Doch Kriemhilds Trauer ist groß und sie beschließt Rache, indem sie den Hunnenkönig Etzel heiratet und nach Jahren stiller Trauer die Burgunder an Etzels Hof lädt. Die lange Reise, die dem Rhein und der Donau entlang über Wien ins heutige Ungarn führt, sollte deren letzte Reise werden. Am Ende steht ein Krieg, den keiner überleben wird. Die anonym aufgezeichnete Nibelungensage, um 1200 verfasst und nach langer Zeit des Vergessens im 18. Jahrhundert wiederentdeckt, wurde von Friedrich Hebbel zu einem großen Trauerspiel verarbeitet. In der Folgezeit missverstanden als Nationalepos, entdeckt man heute die Modernität in diesem Jahrhunderte alten Stoff, der die Grundzüge europäischer Vereinigungen ebenso thematisiert wie er die Labilität von Staatssystemen offenlegt. So erzählt der Mythos der Nibelungen von der Erkenntnis, wie imperiales Machtstreben und menschlicher Makel die unaufhaltsame Mechanik eines kriegerischen Untergangs in Gang zu setzen vermögen.


Am 17. Jänner findet eine Theaterpraktische Werkstatt zu Die Nibelungen statt; lesen Sie hier mehr über die Schauspiel aktiv!-Veranstaltung.




Pressestimmen:

Brunhild (Sophie Hottinger) zeigt sich, unterstützt von Frigga (Judith Bohle), als starke Frau, der man die Walküre abnimmt. Aber nicht die Sehnsucht nach ihrem wahren Bezwinger. Ihr Auftritt ist in Text und Bewegung durchgehend sexuell konotiert - und das ist im Fall dieser Inszenierung kein billiger Regie-Gag, sondern Schlüssel zur Deutung des Stücks. Brunhild und Frigga pochen auf die - sexuelle - Überlegenheit der Frau und malen damit ein Gegenbild zum männlichen Machtverständnis, das sich über Potenz definiert. Und über Unterdrückung. Die wahren Dramen dieses Abends finden folglich im Schlafzimmer statt. Mit Brunhild und Kriemhild (Martina Stilp) tritt der Männermannschaft ein Duo Infernal entgegen, das die Tragödie zu ihrem Ende treibt - Brunhild, die Fremde (ein Topos, den schon Anna Badora in ihrer "Medea" bediente), als Widersacherin, Kriemhild als Opfer des Systems. 
(Hermann Götz, Falter, 24.09.2008) 

Corelia Crombholz versteht es meisterhaft, hehre Männlichkeitsbilder zu demontieren, sich einen gangbaren Weg durch Hebbels große Gefühls-Abgründe zu bahnen. 
(Martin Behr, Salzburger Nachrichten, 22.09.2008)

Zielstrebig und einem Wortmetz gleich bearbeitet sie das Stück massiv von allen Seiten her, entsorgt viel Sprachgeröll im Theatermuseum und vertraut dem Klang der mythischen Triangel Liebe, Intrige, Rache. Weit ist der Bogen, den die Regisseurin spannt. Am Anfang stehen Slapstick, Klamauk, Entlarvung machtberauschter Wortfuchtler, am Ende Meuchelei, Massaker, Gemetzel. Vieles dabei wirkt wie eine Abbitte an das Warme, Lebendige, das versteinern musste, damit Steine, erstarrt, verkalkt, zu einem Pseudoleben erwachen.
Doppeldeutig. Darin besteht die Essenz und Gegenwärtigkeit dieser trügerisch-doppeldeutigen Inszenierung, die sich zuweilen sehr leicht gibt, aber mit perfekten Tempo- und Stimmungswechseln präzise auf die Begriffsleichen, Gefühlskalkulanten und Kriegsherren zielt, die unter Ausschaltung des Kleinsthirns über unser Schicksal bestimmen. In der dünnen Höhenluft der Hebbel'schen Dichtung würde das Publikum bald erschöpft zusammenklappen, so aber sieht es sich mit einem zunehmenden Nebel des Grauens konfrontiert, der nicht aus dem Sagenreich stammt, sondern aus dem windschiefen Haus Europa, aus dem kriegswütigen Weißen Haus und aus allen Sudelküchen, in denen es gilt, irgendwelche "heiligen Güter" verteidigen zu müssen. Viel technischer Aufwand steckt in dieser ausgeklügelten Inszenierung, viel Figuren-Feinschliff, viel Rhythmik, auch durch die exzellente Livemusik des Bassisten Sasenko Prolic. Und großer Ensemblegeist. Sebastian Reiß ist als Gunther ein skurriler König Zauderbart, Dominik Warta geht als Hagen mit Seelenfrost über Leichen, Martina Stilp wandelt sich als Kriemhild glaubwürdig zur schwarzen Witwe […]. Gebührender Applaus nach drei spannenden Stunden.
(Werner Krause, Kleine Zeitung, 22.09.2008)

Es ist jederzeit deutlich erzähltes Theater, das Crombholz zeigt (Bühne - vorzüglich: Natascha von Steiger). Die Charakterzeichnung gelingt
dabei - unterstützt durch Annlies Vanlaeres Kostüme - glänzend. Jan Thümer in der Doppelrolle des weichen, ahnungslosen Kraftlackls Siegfried
und des fast humanistischen, von Rache
und Blutrausch bis zur Abdankung angewiderten Etzel, Sophie Hottinger als durch Siegfrieds Ablehnung und den Verlust ihrer Heimat innerlich zerstörte
Brunhild, Martina Stilp als Kriemhild auf dem Weg vom seifenblasenden
Girlie zur unerbittlich planenden Rächerin, Sebastian Reiß als überforderter, bis zum Stottern komplexiver König Gunther, Dominik Warta als zynischer, über jedwede Leiche gehender Rationalist Hagen, Gerhard Balluch als in Loyalitätskonflikten gefangener Rüdeger, Thomas Frank als fast seherischer
Spielmann Volker, aber auch die anderen Rollen hinterlassen starke Eindrücke. Faszinierend, wie sich die Stimmung vom lockeren Treiben am Wormser Hof mit seinen lustigen Spielchen Schritt für Schritt zum Grauen des Endgemetzels hin verdüstert. So ist packendes Theater!
(Dolf Stockhausen, Die Woche, 24.09.2008)


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