Audioeinführung "Bernarda Albas Haus"

Bernarda Albas Haus

Federico García Lorca
Eine Frauentragödie in spanischen Dörfern

Inhalt

Bernarda Albas zweiter Ehemann ist gestorben. Das Ritual besagt, dass die gesamte Familie nun acht Jahre lang trauern muss. Die gesamte Familie: Das sind neben der Mutter fünf erwachsene, unverheiratete Töchter im Alter zwischen 20 und 39 Jahren, die Großmutter der Mädchen und eine langjährige Dienerin.

Praktisch über Nacht sehen sich die Töchter der Witwe Bernarda Alba hinter karge, weiße andalusische Mauern verdrängt, die den Klostermauern eines strengen Frauenordens nicht unähnlich sind. Kontakt mit der (männlichen) Außenwelt des Dorfes ist vor allem den jungen Frauen nur bedingt gestattet, oberstes Ziel der Mutter ist die Einhaltung des unhinterfragten Trauerrituals und die Aufrechterhaltung der Fassade von wohlanständiger Bürgerlichkeit. Verbündete im Kampf gegen den Wunsch nach Freiheit und gegen die Sexualität ihrer Töchter sind ihr die Religion und die Maximen des Ehemannes und Vaters, der in der Erinnerung lebendig gehalten wird. Und obwohl oder gerade weil Männer abwesend sind im Haus der Witwe Bernarda Alba, sind sie doch omnipräsent im Denken und Fühlen sämtlicher Bewohnerinnen, die jeweils eigene Strategien entwickeln, um mit dem Nicht-Vorhandenen umzugehen.

„Bernarda Albas Haus“ ist das letzte Werk von García Lorca, geschrieben 1936 in der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges. García Lorca zeigt ein faschistoides Frauenregime, das aus Angst vor der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt ein Terrorgebilde ganz eigener Art errichtet und damit die nachfolgende Generation junger Frauen domestiziert und deformiert. Ihr Abgott ist der tote, aber immer wieder beschworene Gott-Vater, der sich einmischt in die Leben von jungen Frauen. So wird die Tragödie des ungelebten Lebens forciert, das unter dem Zwang unmenschlicher, sinnloser, von der Zeit längst überholter Konventionen erstickt. García Lorca zeigt, ganz im Sinne Freuds, dass Verdrängtes, das nicht bewältigt wurde, umso machtvoller und monströser an die Oberfläche zurückkehrt, sobald sich Risse im System zeigen. Wie in vielen Dramen ist auch hier die Angst der Auslöser für fatale Entscheidungen, die katastrophale Folgen haben.

Pressestimmen

„Diese Härte und Ausweglosigkeit wurde bei der Aufführung im Grazer Schauspielhaus am Freitag mit düsterer Ausstattung gekonnt unterstrichen und fand beim Publikum großen Anklang. [...] mehr braucht es nicht, um in der Inszenierung von Thomas Schulte-Michels eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die fast körperlich spürbar ist. […] Regisseur Schulte-Michels stellt eine klare, sehr komprimierte Aufführung auf die Bühne, bei der nichts von der Härte des Textes ablenkt und bei der die Stille großartig eingesetzt ist. […] Christiane Roßbach ist als Bernarda Alba von unnachgiebiger Härte, lässt aber immer wieder durchblicken, dass der Druck der Männerwelt sie zu dem gemacht hat, was sie ist. […] Als älteste Tochter Angustias ist Nanette Waidmann von kühler Herablassung gegen die Schwestern, weil sie als Einzige auf eine Heirat hoffen darf. Doch eigentlich ist es die Jüngste, Adela, die so etwas wie einen Hauch Liebe erfährt, und Maximiliane Haß zeigt sie als berührende Mischung aus Unschuld und verzweifelter Auflehnung, während Henriette Blumenau (Martirio) ihre unglückliche Verliebtheit in Bosheit münden lässt. Silvana Veit und Lena Kalisch ergänzen die Schar der Töchter, die alle unverwechselbar und individuell wirken, gekonnt. Julia Gräfner als geifernde Magd bringt etwas Bodenständiges ein. […] eine Aufführung, die unter die Haut und ins Herz geht.“ (Karin Zehetleitner, APA, 3. Februar 2018)

„Angeführt von Christiane Roßbach, die Bernarda Alba als kalten, lustvoll selbstgefälligen Herrschaftszombie gibt, steht dem Regisseur dabei ein exzellentes Frauenensemble zur Seite. Als hasserfüllte, von auswegloser Knechtschaft verformte Hausmagd La Poncia brilliert einmal mehr Julia Gräfner. […] Langer Applaus für eine starke Ensembleleistung.“ (Ute Baumhackl, Kleine Zeitung, 4. Februar 2018)

„Regisseur Thomas Schulte-Michels zeigt ein düsteres Szenario, das im schwarzen, kaum möblierten Bühnenbild von Robert Schweer und den Kostümen von Renate Schmitzer die perfekte Entsprechung findet. […] Christiane Roßbach führt als Bernarda ein kaltes Schreckensregime, ihr zur Seite steht die zur Denunziation neigende Magd – bei Julia Gräfner in besten Händen. […] ein kurzer, schöner und dichter Abend!“ (Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 4. Februar 2018)

„Gräfner […] setzt wohldosiert auch komische Akzente. Roßbach kann in der Rolle der bösen Herrin ebenfalls reüssieren. Waidmann bedient Reste an Stolz und Hoffnung, Haß zeigt erfrischend das Rebellische der Jugend.“ (Norbert Mayer, Die Presse, 3. Februar 2018)

ORT & DAUER
HAUS EINS
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause
WIR EMPFEHLEN IHNEN
HAUS ZWEI

Der Prophet Mohammed, emanzipiert gedacht? Das Nachfolge-Stück zu „Geächtet“ von Ayad Akhtar bietet erneut provokanten Stoff.

HAUS EINS

Sie lieben Nikolaus Habjans einzigartige Inszenierungen mit Puppen? Dann verpassen Sie nicht sein Solo rund um den weltberühmten Dirigenten aus Graz.

Medien
Audioeinführung "Bernarda Albas Haus"