Audioeinführung "Böhm"

Böhm

Uraufführung

Paulus Hochgatterer
Von und mit Nikolaus Habjan

Wiederaufnahme in der Saison 2019.2020

Inhalt

„Böhm“ von Paulus Hochgatterer, in der Regie von und mit Nikolaus Habjan, war nominiert für den Nestroy-Theaterpreis 2018 in der Kategorie „Beste Bundesländer-Aufführung“.

Zum Stück

Dirigenten sind faszinierende Menschen: Musikalisch von höchster Sensibilität gebieten sie als gottähnliche Alleinherrscher über riesige Klangkörper, die – wie im Fall der Wiener Philharmoniker, mit denen Böhm oft zusammenarbeitete – damals noch dazu fast ausschließlich aus Männern bestanden; Dirigenten müssen sowohl Empfindsamkeit als auch Führungsstärke mitbringen; sie sind bisweilen tyrannische, selbstherrliche Despoten, deren Seelenregungen oder Fingerzeige eine Hundertschaft in Bewegung zu setzen vermögen.  

Karl Böhm, einer der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, ist ein berühmter Sohn der Stadt. Geboren wurde er 1894 im sogenannten Böhm-Schlössl in der Kernstockgasse 21, begraben liegt er auf dem Steinfeldfriedhof. Zwischen Geburt und Begräbnis in Graz liegen fast 87 Lebensjahre, die von einem tiefen Zwiespalt geprägt sind: Einerseits war Böhm ein großer Künstler, andererseits war er ein Mensch, der sich mit dem Nationalsozialismus gemein machte, um seine Karriere voranzutreiben.

Böhms Laufbahn begann 1917 in Graz und führte ihn bald nach München, Darmstadt und Hamburg. Auf Fürsprache Hitlers wurde Böhm 1934 an die Semperoper in Dresden berufen, um Nachfolger des Dirigenten Fritz Busch zu werden, den das NS-Regime zum Rücktritt und zur Emigration genötigt hatte. 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde Böhm Direktor der Wiener Staatsoper. Bereits 1935 schrieb er: „Es ist sicher im Sinne der Regierung gelegen, wenn ich als deutscher Dirigent nach Wien gehe, um dort den zahlreichen Anhängern der nationalsozialistischen Idee neue Anregung zu geben, umso mehr als ich gebürtiger Österreicher bin. […] Heil Hitler!“ 1945 entfernten ihn die alliierten Besatzungsbehörden wegen zu großer Nähe zum Nazi-Regime aus dem Amt des Direktors der Wiener Staatsoper und belegten ihn mit einem Auftrittsverbot. Nach Ende der Besatzungszeit bis 1956 wurde er dann ein zweites Mal mit diesem Amt betraut.

Der aus Graz stammende Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan, gern gesehener Gast am Schauspielhaus, beschäftigt sich in diesem umjubelten Soloabend mit dem finstersten Kapitel europäischer Geschichte, das auch in seiner Heimatstadt Graz eine Rolle spielte. Das Stück stammt aus der Feder des Wiener Autors Paulus Hochgatterer, der Nikolaus Habjan und dessen Puppen die Rollen auf den Leib geschrieben hat. „Böhm“ wurde und wird auch außerhalb des Schauspielhauses gezeigt; u.a. war es bei den Bregenzer Festspielen zu Gast.

Pressestimmen

„‚Böhm‘, an ingenious puppet show at the Schauspiel Graz theater in Austria, about the life of the one of Graz’s most famous native sons, the conductor Karl Böhm (1894-1981).“ (New York Times) 
Den ganzen Artikel können Sie hier lesen: https://nyti.ms/2WmSm7Z

BÖHM UNTERWEGS

Residenztheater München (Gastspiel am 4. und 5. Februar 2019)

„Das ist so hochkomisch wie bestürzend und herzangreifend realistisch. […] Man weiß kaum worüber man mehr staunen muss. Über die Virtuosität, mit der Habjan die Charaktere nicht nur zum Leben erweckt, sondern zwischen ihnen hin- und herspringt, über seine Beobachtungsgabe und Musikalität oder über den nie plumpen Historismus.“ (Münchner Merkur / taz, Markus Thiel, 06.02.2019)

Bregenzer Festspiele (Gastspiel am 25.07.2018)

„‚Böhm‘ vereint auf fabelhafte Weise die Poesie einer verzaubernden Bühnenkunst mit inhaltlicher Notwendigkeit und einem ungeheuer erhellenden Text. […] Unbedingt anschauen, wenn man den Abend irgendwo angekündigt sieht!“ (Süddeutsche Zeitung, Egbert Tholl, 28.07.2019)

„Am Ende einhelliger, langer Jubel und Standig Ovations: Nikolaus Habjan hatte bei den Bregenzer Festspielen in hundert Minuten ein nie moralinsaures, dennoch entlarvendes Psychogramm des Dirigenten Karl Böhm vorgeführt […].“ (Abendzeitung München, Wolf-Dieter Peter, 28.07.2018)

„Grandioses Spiel in ‚Böhm‘ bei den Bregenzer Festspielen. Publikum spendet kräftigen Applaus. […] In einer raffinierten vielschichtigen Erzählung nähert sich der Schriftsteller und Psychiater Paulus Hochgatterer mit seinem Stück ‚Böhm‘ dem Leben und Wesen des ehemaligen Staatsoperndirektors an. Regisseur und Puppenkünstler Nikolaus Habjan setzt dieses Werk virtuos und mit viel Gefühl in Szene. Und so gab es im Theater am Kornmarkt großen Jubel für Habjan und Hochgatterer, […]. (Neue Vorarlberger Tageszeitung, Lisa Kammmann, 27.07.2018)

„Wie überhaupt an Kunstgriffen im wahrsten Sinne des Wortes dieses Stück so reich ist. Man wird die ganzen eindreiviertel Stunden nicht müde, über die hochvirtuose Puppenführung Habjans zu staunen, aber auch über seine sprachliche Virtuosität, mit der er der jeweiligen Figur seine Stimme leiht.“ (Kronen Zeitung, Anna Mika, 27.07.2018)

„Obgleich ein einziger Mensch auf der Bühne erzeugt Habjan enorme Spannung und eine intime Nähe zu seinen Figuren, wenn er mehreren Puppen gleichzeitig Sprache und Körper verleiht. Mit lange anhaltendem Applaus quittiert das Publikum diese überwältigende Leistung.“ (Memminger Zeitung / Allgäuer Zeitung, Ingrid Grohe, 28.07.2019)

„Ein starkes Stück zu Kunst und Politik. […] Hochgatterer und Habjan bieten in ‚Böhm‘ subtil Reflexion an, die mit einem sachten Stoß vom Sockel endet und sie übertragen das Thema Kunst und Politik in die Gegenwart. Vom Publikum erfuhren sie gestern Abend jubelnde Zustimmung.“ (Vorarlberger Nachrichten, Christa Dietrich, 28.07.2018)

21. internationales figuren.theater.festival (Stadttheater Fürth) (Gastspiel am 29.5.2019)

„Dem Grazer Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan gelingt mit Böhm eine kluge Analyse von Mitläufertum und ein Höhepunkt der Figurentheater-Festivalsaison. […] In diesem sagenhaft präzise und konzentriert servierten Solo gelingt Habjan das Schwierigste: eine Anklage, ohne ein Urteil zu fällen, eine Analyse ohne Schlussplädoyer. […] Habjan macht das alles wunderbar, mit zig Dialekten, klugen Tempo- und Temperaturwechseln und mit Puppen, die auch schweigend noch beredsam sind. Er schaut auf Böhm ohne Revanchegelüste. […] Am Ende geht eine Büste zu Bruch, das Original steht im Grazer Theater. Und die stehenden Fürther Ovationen würden noch immer andauern, wenn der Vom-Sockel-Holer Nikolaus Habjan nicht gegangen wäre.“ (Fürther Nachrichten / www.nordbayern.de, Matthias Boll, 01.06.2019)

„[…] beim mittelfränkischen Festival [gab es] Ovationen im ausverkauften Fürther Stadttheater […] Ein ganz wichtiges Element dieser fulminanten, zugleich zärtlichen wie kritischen Sicht auf Böhm ist aber das Sprach- und Sprechkunstwerk, das Habjan in den verschiedenen Rollen gestaltet […] Habjan ist ein geradezu besessener Allround-Künstler, seine Puppen können alles sagen, was sonst unter den Teppich der political correctness gekehrt wird.“ (www.bayerische-staatszeitung.de, Uwe Mitsching, 04.06.2019) 

Pressestimmen zur Premiere am 22. März 2018:

„Er [Nikolaus Habjan] bringt sogar […] knapp einen Meter große marionettenartige Puppen zum Einsatz und zeigt dabei seine Virtuosität in der Verwendung der unterschiedlichsten Zungenschläge: vom rumänischen Helfer über das näselnde Schönbrunnerdeutsch-Wienerisch Böhms bis hin zum sächselnden Reichsgaumusikbeauftragten. Dabei gelingt ihm, was nur den besten Puppenspielern – noch dazu hat Habjan mit Hilfe von Marianne Meinl alle Puppen selbst angefertigt, und die Lebensähnlichkeit der Pappmachékameraden wird immer größer – geglückt: Nach kaum einer Schrecksekunde vergisst man, dass man Puppen vor sich sieht. Und am Ende dieses erstaunlichen, geglückten, minutenlang frenetisch beklatschten Abends hat Habjan doch noch Böhm vom Sockel gestoßen. Ein gleichzeitig beklemmendes und befreiendes Bild.“ (Martin Lhotzky, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2018)

„Das Bühnenbild (Julius Theodor Semmelmann) ist ein Geviert aus braunen Kommoden. Sehr witzig sind die Szenen, in denen der autoritäre, pedantische Böhm auf der Probe den Jungen Walter Berry schikaniert oder einen Musiker zur Schnecke macht. […] Der begnadete Stimmenimitator und Komödiant Habjan ist hier ganz in seinem Element. Obwohl er sich selbst hauptsächlich als Regisseur versteht, zeigt sich Habjans Meisterschaft auch diesmal in seiner Performance. […]“ (Wolfgang Kralicek, Süddeutsche Zeitung, 27.03.2018)

„Nikolaus Habjan perfektioniert das Puppenspiel. Seine Inszenierung von ‚Böhm‘ mit Paulus Hochgatterers kongenialem Text wurde im Schauspielhaus bejubelt. […].“ (Norbert Mayer, Die Presse, 23.03.2018)

„Habjan vermittelt die Ambivalenz der Figur im Wechselspiel aus großem Bild und intimem Monolog. Böhm erweist sich somit als sensible Annäherung an einen Künstlercharakter, der sich stur in Noten vertieft, sich an diese klammert, um die Politik zu verdrängen.“ (Ljubisa Tosic, Der Standard, 26.03.2018)

„Ein Uhrenfetischist und Generalmusikdirektor mit braunen Flecken: Dieser Stoff wird bei der Grazer Uraufführung als bisweilen beklemmend komödiantisches Puppenspiel umgesetzt. Nikolaus Habjan, der die Idee für das ‚Böhm‘-Stück hatte, haucht insgesamt elf Puppen Leben ein. Er schlüpft auf virtuose Weise stimmlich in die unterschiedlichen Rollen, die das Umfeld des Stardirigenten bilden. […] Wunderbar ist das von Habjan verinnerlichte, mit einem Hauch Schönbrunnerisch verfeinerte weinerliche Graz-Idiom, das alle ‚Böhm‘-Figuren auszeichnet. […] Das Publikum dankte mit enthusiastischem Applaus.“ (Martin Behr, Salzburger Nachrichten, 26.03.2018)

„Eindringliche Bilder und eine präzise Sprache: Nikolaus Habjan und Paulus Hochgatterer erinnern an einen der widersprüchlichsten ‚Söhne der Stadt Graz‘: an den Dirigenten Karl Böhm. Ein wichtiges Stück. Es ist, als blicke man in eine Landschaft voller Furchen, erlebter Höhepunkte und erfahrener Abgründe. Es ist ein Gesicht mit dicker Hornbrille auf einem lebensgroßen Körper im Rollstuhl. Ein Gesicht, das man nicht so schnell vergisst. […] viel Beifall für einen herausragenden Habjan und für den Mut des Schauspielhauses, sich diesem Fall hier in Graz zu widmen.“ (Julia Schafferhofer, Kleine Zeitung, Nachtkritik, 22.03.2018)

„Ein Hochleistungsakt: Puppenspieler Nikolaus Habjan widmet sich im Alleingang in 15 Rollen Karl Böhm und der Spezies Mitläufertum in der NS-Zeit. Viel Beifall. […] “ (Julia Schafferhofer, Kleine Zeitung, 24.03.2018)

„Habjans begnadete Ein-Mann-Show. […] Es sind atemberaubende eindreiviertel Stunden, zu denen Nikolaus Habjan ins Grazer Schauspielhaus lädt. […] Den faszinierenden, klugen und erstaunlich vielschichtigen Abend hat Habjan gemeinsam mit Martina Gredler inszeniert, die wandelbare Bühne stammt von Julius Theodor Semmelmann, die Kostüme steuerte Cedric Mpaka bei. Ein Theatererlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.“ (Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 24.03.2018)

„Dirigent Karl Böhm als grantig-geniale Puppe im Grazer Schauspielhaus. […] Nikolaus Habjan erweckt Paulus Hochgatterers Stück mit handwerklicher Virtuosität zum Leben. […] Bei der Uraufführung von ‚Böhm‘ am Donnerstag im Grazer Schauspielhaus geriet die Geschichte eines Künstlerlebens durch die gekonnte Handhabung der Puppen durch Nikolaus Habjan äußerst spannend und kurzweilig. […] Es war eine gute Idee, diese Geschichte einmal auf die Bühne der Heimatstadt des Dirigenten zu bringen, ob mit Puppen oder in anderer Form.“ (Karin Zehetleitner, APA, 23.03.2018)

„‚Böhm‘ heißt das am Donnerstag im Grazer Schauspielhaus aus der Taufe gehobene Stück, ein von Paulus Hochgatterer brillant zurechtgeschnittener, tiefenscharfer Text. […] Jubel für Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan, aber auch fürs Team, aus dem Habjan vor allem die Co-Regisseurin Martina Gredler besonders hervorhob. Eine so dichte, zwischen politischem Anspruch und Humor wohl abgewogene Produktion.“ (Reinhard Kriechbaum, www.drehpunktkultur.at, 23.03.2018)

„Die unglaubliche Leistung von Nikolaus Habjan, sich alleine durch ganze 15 Rollen zu spielen, sowie die sprachliche Präzision von Paulus Hochgatterers Text machen ‚Böhm‘ zu einem beeindruckenden Puppentheater, das den Blick auf die noch immer nicht ganz aufgearbeitete Nazi-Vergangenheit schärft. Ein außergewöhnliches Stück – nicht verpassen!“ (Hannah Michaeler, www.kultrefgraz.wordpress.com, 24.03.2018)

 

TERMINE
Fr, 27. Sep 19:30 - 21:15
Sa, 05. Okt 20:09 - 21:54
So, 06. Okt 18:00 - 19:45
Sa, 12. Okt 20:00 - 21:45
ORT & DAUER
HAUS EINS
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause
BESETZUNG
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