Bookpink

Uraufführung

Ein dramatisches Kompendium von Caren Jeß

Inhalt

Der Dreckspfau hat es denkbar schlecht getroffen – schon als die Mutter sein Ei im Wald entsorgte. Trotzdem geschlüpft, natürlich kriminell geworden. Voll verdreckt sieht keiner seine Schönheit, und der Spatz, der Spast, macht ihn blöd an. Der Bussard hingegen, gottgleich verehrt von den kleinen Singvögeln, verharrt in ominösem Schweigen und ist vor allem darauf aus, Mäuse zu machen. Die Flamingos, die die Rabenmutter als Spielzeug für das Rabenkind angeschafft hat, sind es leid, sich ewig nur im Kreis zu drehen, Sumpfmeise Veroniko möchte nicht auf seine Schönheit reduziert werden, Hahn und Henne gehen einer esoterischen Pute auf den Leim, und die Taube im Müll träumt von barockem Überfluss.

In sieben komisch-poetischen Miniaturen beschreibt die norddeutsche Autorin Caren Jeß – der Titel des Stücks ist das plattdeutsche Wort für „Buchfink“ – menschliche Abgründe, soziale Konstellationen und aktuelle Debatten im Federkleid. Ihre tierischen Protagonist*innen lässt sie in ihrem „dramatischen Kompendium“ so erhellend palavern wie die selbstverliebten, sich mit lateinischen Namen schmückenden Wildkräuter aka Unkräuter inmitten der LGBTQ-Pflastervegetation, die zwar um ihr Leben fürchten angesichts der Tagesform der Gärtnerin, aber zu überdauern wissen in den Ritzen zwischen den Gehwegplatten.

„Voller Humor ist ‚Bookpink‘, voll von subtilem Wortwitz und draller Situationskomik, von erzählenden Texten scharf gezeichnet und von Figuren und Dialogen prall koloriert. Das kommt vordergründig so leichtfüßig daher und in den Figuren der Tiere und Pflanzen so unverfänglich simpel (die Geschichte von Emanzipation und Gender über die männliche Sumpfmeise Veroniko zu erzählen, ist beispielsweise schon ein sehr hilfreiches Mittel, sich der aktuellen Debatte ohne stereotype Zuweisungen zu nähern), dass eine weitere Lust darin besteht entschlüsseln zu wollen, welches der großen Themen Jeß jetzt eigentlich gerade am Wickel hat.”, sagte die Schauspielerin Wiebke Puls von den Münchner Kammerspielen in ihrer Laudatio auf das Stück anlässlich des Münchner Förderpreises für deutschsprachige Dramatik 2018.

„Bookpink“ wurde auch beim Heidelberger Stückemarkt 2019 präsentiert und wird in Graz von der jungen Kärntnerin Anja Michaela Wohlfahrt zur Uraufführung gebracht, die in der Spielzeit 2018.2019 bereits eine Bürger*innenbühne inszenierte.

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Pressestimmen

„Die Inszenierung [von] Anja Michaela Wohlfahrt braucht als Bühnenbild nicht mehr als schwarze Boxen. Lebendig wird der Abend durch die Leistung des Ensembles. Elegant schlüpfen die Darsteller in die unterschiedlichen Federkleider der vielfältigen Geschichten. Dabei schaffen sie es, sowohl einen menschlichen wie auch einen vogelhaften Eindruck zu vermitteln. So wird eine fabelhafte Maximiliane Haß vom proletenhaften Dreckspfau zum naiven Hühnchen und zur krähenden Rabenmutter. Herrlich ist auch Frieder Langenberger als narzisstische Narzisse im Vorgarten. Insgesamt bietet sich ein abwechslungsreicher Abend, der ohne viel Krimskrams unterschiedlichste Settings entstehen lässt. Ideal für Liebhaber von subtilem Wortwitz.“ (Kleine Zeitung Steiermark + Kärnten / kleinezeitung.at, Teresa Guggenberger, 30.11./1.12.2019)

„Die junge Kärntner Regisseurin Anja Michaela Wohlfahrt dreht so präzis an den Stellschrauben, dass aus den coolen Vogel-Charismatikern keine zu krassen Karikaturen werden. Es schaut naturecht-bizarr aus, wenn uns der Spiegel einen Vogel zeigt. So funktioniert Fabel.“ (nachtkritik.de / drehpunktkultur.at, Reinhard Kriechbaum, 29.11.2019)

„‚Bookpink‘ lebt von den großartigen Darstellern, die sich in ihren gefiederten Rollen schrecklich wohl fühlen. […] Die Sprache der Dramatikerin Caren Jeß ist so exakt wie poetisch. Genauso wie der Zugang, den Regisseurin Wohlfahrt zu „Bookpink“ findet - die Schauspieler versuchen nie wirklich wie Vögel zu sein, sind aber frei wie Vögel.“ (Kronen Zeitung / krone.at, Hannah Michaeler, 2.12.2019)

„Ein paar bunte Accessoires wie Mützen oder Ketten zur Unterstützung des Charakters (Kostüm: Kathrin Eingang), sowie einige geräuschvolle Kisten auf der Bühne (Szenenbild: Philipp Glanzner) – mehr braucht es nicht, denn die DarstellerInnen tragen dieses Stück alleine. Das fünfköpfige Ensemble brilliert mit Worten und glänzt überdies mit perfektem Timing. Maximiliane Haß als obszöner Dreckspfau weiß das Publikum vom ersten Moment an einzunehmen und Mathias Lodd wird als herrliche Pute Ute ebenfalls noch lange in Erinnerung bleiben. Auch Frieder Langenberger etwa als Bussard mit Aggressionsproblem oder als hinreißender Spatz sowie Clemens Maria Riegler als perfide Krähe und geheimnisvoller Beobachter unterhalten bestens. Anna Szandtner führt nicht nur als Erzählerin zielsicher durch das Stück, sondern verzaubert als Taube auch mit brillanten Fragmenten barocker Arien.“ (kultrefgraz.wordpress.com, Iris Kapeller, 1.12.2019)

 

TERMINE
Fr, 29. Nov 20:30 - 22:10
PREMIERE
Mi, 18. Dez 20:30 - 22:10
Fr, 03. Jän 20:30 - 22:10
Di, 07. Jän 20:00 - 21:40
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ORT & DAUER
HAUS DREI
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause
PREMIERE
29. November 2019, HAUS DREI
BESETZUNG
Medien