Audioeinführung „Der Auftrag: Dantons Tod“

Der Auftrag: Dantons Tod

Mit Texten aus Heiner Müllers "Der Auftrag" und Georg Büchners "Dantons Tod"

Inhalt
Jan-Christoph Gockels Inszenierung von „Der Auftrag: Dantons Tod“, mit Texten aus Heiner Müllers „Der Auftrag“ und Georg Büchners „Dantons Tod“, die am 3. März in HAUS EINS Premiere feierte, gewann am Abend des 13. November im Wiener Ronacher den Nestroy-Theaterpreis 2017 in der Kategorie „Beste Bundesländer-Aufführung“.
 
Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie, Nationalstaatlichkeit: Die Französische Revolution ist eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Neuzeit, dessen Folgen wir bis heute spüren und ausagieren.

Zwei bedeutende deutsche Dramatiker haben zwei berühmte Stücke darüber geschrieben. 1834 stellt Georg Büchner die beiden Revolutionshelden Danton und Robespierre einander gegenüber und formuliert damit die Frage, welcher Weg der richtige sei, um revolutionäre Ideen in einen Alltag zu überführen. 1980 schildert der große ostdeutsche Dramatiker Heiner Müller, wie drei Republikaner auf verlorenem Posten, weit weg von der Heimat Frankreich, versuchen, den Geist der Revolution nach Jamaica zu bringen und dort die Sklaverei zu beenden. Als sich jedoch herausstellt, dass zu Hause längst ein anderer an der Macht ist, Napoleon, suchen die im Stich gelassenen Männer den Ausweg im Verrat, im Tod, in der Depression.

Geschichte als Metapher auf die Gegenwart: Die beiden hochpolitischen Autoren suchten in der Vergangenheit Spuren ihrer Gegenwart. Büchner, der im Vormärz die politische Lage seines Heimatlandes analysierte, schrieb mit 22 Jahren sein erstes Drama, „Dantons Tod“. Heiner Müllers Herangehensweise 150 Jahre nach Büchner ist eine gänzlich andere. Der sprachmächtige Geschichtsmetaphoriker leistet im „Auftrag“ poetische Trauerarbeit und zeigt das Scheitern einer Utopie.

Und heute? Büchners berühmte Frage: „Was ist das, was in uns hurt, lügt, stiehlt und mordet?“ bleibt bestehen, insbesondere angesichts der Situation in den Ländern nach dem Arabischen Frühling, die auch die Kraft und Überzeugungskraft unseres demokratischen Modells infrage stellen. „Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!“, heißt es im „Danton“. Der Regisseur Jan-Christoph Gockel, der die Spielzeit 2015.2016 mit „Merlin“ eröffnete, nahm dieses Zitat zum Ausgangspunkt und dachte, wiederum zusammen mit dem Puppenbauer und -spieler Michael Pietsch, Büchner und Müller zusammen.

Regie Jan-Christoph Gockel Bühne Julia Kurzweg Kostüme Sophie du Vinage Puppenbau Michael Pietsch Musik Komi Mizrajim Togbonou Dramaturgie Elisabeth Geyer

Mit Julia Gräfner (Debuisson), Florian Köhler (Galloudec), Raphael Muff (Regisseur), Michael Pietsch (Puppenspieler), Evamaria Salcher (Antoine/Erste Liebe/Engel der Verzweiflung), Komi Mizrajim Togbonou (Sasportas); Statisterie Konan Marc Konan/Simon T. Olubowale, Jean-Paul Ledun, Gabriele Roller
Sowie als Puppen Georg Danton, Robespierre, Camille Desmoulins, Julie, Marion und das Volk

Pressestimmen

„Ein virtuos erfüllter Auftrag.[…] Ein Wagnis, restlos geglückt.[…] Jan-Christoph Gockel sorgt mit seinem kongenialen Bruder im Geiste, dem Puppenspieler Michael Pietsch, für ein multimediales, anarchisches Treiben fernab aller Theaterkonventionen. […] Geboten wird ein optischer und rhetorischer Feuer- und Wortzauber, reich an magischen Bühnenbildern (Julia Kurzweg) und wuchtigen Wortgemälden von Müller und Büchner. […] Geprägt auch durch eine an Intensität und Wandlungsfähigkeit kaum noch überbietbare Leistung aller Mitwirkenden, von Julia Gräfner in einer Hosenrolle bis zu Florian Köhler, der enorme Präsenz und Ausdruckskraft beweist. […] Den Schlusssatz sollte sich jeder mit auf den Heimweg nehmen: „Ich fürchte mich vor der Schande, in dieser Welt glücklich zu sein.“ Eine Schande wäre es, dieses virtuose Glanzstück nicht zu sehen“ (Werner Krause, Kleine Zeitung, 5. März 2017)

„Traumhaftes Theater von Heiner Büchner. […] Und dafür verhalf Regisseur Jan-Christoph Gockel als Großmeister der Assoziationen und Allegorien gemeinsam mit dem genialen Puppenspieler Michael Pietsch einen neuen Autor zur Imposanten Präsenz im Grazer Schauspielhaus: Heiner Büchner sein Name. […] Die Inszenierung ist ein raffiniertes und ausgeklügeltes Spiel über geplatzte Illusionen und hohle Phrasen. […] Geprägt durch grandiose Bühnenbilder, angereichert durch Filmsequenzen und Live-Musik, werden in „Der Auftrag: Dantons Tod“ dank einer großartigen Ensembleleistung alle Fäden und Register gezogen, um das wahre Antlitz der Welt zu zeigen – es ist eine Fratze. Traumhaftes und abltraumhaftes Theater zugleich. Ein Dämonisches, spektakuläres Glanzstück hat sich entpuppt.“ (Werner Krause, www.kleinezeitung.at, Nachtkritik, 3. März 2017)

„Ein Abend, der sein Publikum fordert und mit jeder Menge Fragen und Diskussionsstoff nach Hause schickt, ist dem Duo Jan-Christoph Gockel und Michael Pietsch am Grazer Schauspielhaus gelungen. „Der Auftrag: Dantons Tod“ verknüpft die Texte von Georg Büchner und Heiner Müller zum hochbrisanten Theaterereignis. […] Was nach intellektueller Spielerei klingt, entpuppt sich als pures, gewaltiges Theater. Mit allen Mitteln vom bewährten Figurentheater (Puppenbauer Michael Pietsch ist seit vielen Jahren Gockels kongenialer Bühnenpartner) zur Live-Musik, von Videosequenzen zum Durchbrechen der vierten Wand – wird hier das Scheitern der Ideale Ausexerziert und die folgende Anarchie lustvoll zelebriert. […] Das herausragende Ensemble trägt wesentlich zum Gelingen dieses Unterfangens bei. Die Emissäre Julia Gräfner (umfassend wandelbar), Florian Köhler und Komi Mizrajim Togbonou, Michael Pietsch und Raphael Muff als Erzähler und Puppenspieler sowie Evamaria Salcher (nicht nur) als Engel der Verzweiflung halte die Spannung hoch. […] … ein gewaltiger Denkanstoß in viele Richtungen. So kann und soll Theater heute wieder sein!“ (Michaela Reichert, Kronen Zeitung, 5. März 2017)

„Julia Gräfner, die Energie in schierer Wucht einbringt und dabei mit brillanter Sprechkultur aufwartet, wird zum Nukleus dieser Aufführung, in einem Ensemble einprägsamer Typen. […] Florian Köhler ist der draufgängerische Galloudec. […] Hintersinnig gibt sich Komi Mizrajim Togbonou als Sasportas, der die Schwachpunkte revolutionären Übereifers benennt.“ (www.nachtkritik.de)

„Was als Puppenspiel mit dem vom Mini-Schaffott rollenden Kopf Dantons beginnt, mündet letztlich in ein Road-Movie: Ein von einem Jeep gezogener Planwagen macht sich auf den Weg nach Jamaika, auf der rotierenden Bühne mit Videos aus dem Wageninneren umgesetzt. Die drei französischen Abgesandten sollen die europäischen Werte auf die Insel bringen, indem sie Undercover einen Sklavenaufstand initiieren. Dabei bedienen Sie sich zunächst der Masken der Kolonialisten. […] Vor allem der glatzköpfige Debuisson im Businessanzug, gespielt von Nestroy-Gewinnerin Julia Gräfner, gibt den Sklaventreiber mühelos.“ (www.steiermark.orf.at, 3. März 2017)

„Wenn zwei literarische Giganten fusioniert werden, ergibt das ein Stück, das schon alleine durch seine Wortgewalt getragen wird. Ergänzt man dies um ein Bühnenbild, das bis an die Grenzen- und ein Ensemble, das noch viel weiter geht, erhält man am Ende einen Abend, bei dem einen das Lachen manchmal im Halse stecken bleibt und die Erkenntnis, dass die Revolution viele Gesichter hat, aber vor allem nicht leicht zu ertragen ist.“ (Katrin Fischer, www.kulturrefgraz.wordpress.com, 4. März 2017)

„Mit 'Der Auftrag: Dantons Tod' gelingt ein knackiger Abgesang auf die Revolutionsutopie. [...] Davon geben die Schauspieler ein frappierendes Exempel ihrer Kunst zum Besten; sie bringen die doppelten Maskierungen ihrer Figuren zum Schimmern: Allen voran trumpft die grandiose Schauspielerin Julia Gräfner mit dem feisten Schritt eines glatzköpfigen Mafiosos als umsturzwilliger Debuisson auf. Sprechen kann diese Frau und sich verwandeln, dass einem die Spucke wegbleibt.“ (Margarete Affenzeller, Der Standard, 5. März 2017)

„[...] von einem Quartett an Schauspielern und zwei Puppenspielern (Michael Pietsch, Raphael Muff) mit Verve dargeboten [...] Die Leistungen der Schauspieler sind [...] beachtlich. Gräfner hat stets starke Präsenz, nicht nur in den lauten Passagen, sondern auch, wenn sie Angst zeigt 'vor der Schönheit der Welt'. Togbonou, der auch exzellent musiziert (man hört zum Beispiel 'The End' von den Doors), ist in seiner raffinierten Zurückhaltung geradezu geheimnisvoll, voll latenter Aggression: 'Die Heimat der Sklaven ist der Aufstand.' Köhler zeigt sein vielfältiges Können, in Satire wie in tiefer ironischer Bedeutung, und Evamaria Salcher überzeugt als Antoine, als Erste Liebe und als Engel der Verzweiflung. Mit großen Flügeln rauscht sie wie ein Bote des Todes durch die mehrfach gebrochene Schweinwelt.“ (Norbert Mayer, Die Presse, 6. März 2017)

ORT & DAUER
HAUS EINS
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 3 Stunden
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HAUS EINS

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HAUS EINS

Im Eröffnungsstück 17.18 wird es schwabisch: Claudia Bauer („Volpone“) inszeniert den Faust-Stoff in Werner Schwabs einmaliger Sprache.

 

 

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