Der goldene Drache

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Fünf Asiaten in der winzigen Küche des Thai-China-Vietnam-Schnellrestaurants DER GOLDENE DRACHE. Der jüngste unter ihnen schreit panisch. Eine Arbeitsgenehmigung hat er nicht, aber einen hohlen Zahn; der schmerzt und muss gezogen werden. Mit einer Zange brechen ihn seine

Freunde aus dem Mund. Der Zahn fliegt durch die Luft und landet in der Suppenschüssel Nummer 6, Thai-Suppe mit Hühnerfleisch und Kokosmilch. Doch die Zahnlücke hört nicht auf zu bluten. Am Tisch im Restaurant sitzen zwei Flugbegleiterinnen. Sie kommen von Santiago de Chile. Auf der Höhe der Küste Senegals haben sie aus dem Flugzeugfenster ein Boot gesehen, voll mit Leuten. Nun finden sie einen Schneidezahn auf dem Boden der Schüssel. Im selben Haus sitzt ein Mann im gestreiften Hemd in der Küche seiner Vierzimmerwohnung und wünscht sich, er hätte seine Frau nie kennengelernt. Hans besitzt einen Lebensmittelladen und hat sich gerade etwas zu essen geholt, Gericht 103, extra scharf. Er hat ein lukratives Nebengeschäft und präsentiert seine gut unter Verschluss gehaltene Sexsklavin dem Freund im gestreiften Hemd. Aus der Zahnlücke des sterbenden Jungen rufen winzig Mutter, Vater, Onkel und Tante: Ist er gut angekommen? Hat er seine Schwester gefunden?



Roland Schimmelpfennig gehört zu den meistgespielten zeitgenössischen Dramatikern. Mit Der goldene Drache hat er ein modernes Märchen über unsere Welt ohne Grenzen geschaffen. Ein Panoptikum von Lebenslinien, die sich kreuzen, gespielt von Frauen und Männern als Männer und Frauen, Grillen und Ameisen.

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