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Audioeinführung „Der Revisor“

Der Revisor

Komödie von Nikolaj Gogol


Bearbeitet von John von Düffel


Nach einer Rohübersetzung von Natascha Görde


Regie Stephan Rottkamp

Inhalt

Emotional und vielleicht auch geografisch liegt ein kleines Städtchen zwischen dem Sehnsuchtsort Moskau und dem Verbannungsort Sibirien: tiefste russische Provinz. Es gerät aus dem Gleichgewicht, weil sich ein Gerücht in Windeseile verselbständigt: Ein Revisor aus dem fernen Moskau kommt!

Schon ist er im Hotel abgestiegen, beschwert sich über die Qualität des Essens und weigert sich, die Rechnung zu bezahlen. Soviel Unmut ist gefährlich, steigt damit doch die Gefahr, dass der Beamte die Zustände nun besonders unerbittlich prüft. Schlendrian und Amtsmissbrauch drohen ans Licht zu kommen, von hygienisch fragwürdigen Zuständen im Krankenhaus, eigenwillig interpretierten Lehrplänen in der Schule bis zur Hundezucht im Gerichtssaal. Und wo die Honoratioren der Stadt vor dem langen Arm des Gesetzes zittern und den Moskauer Gast mit Gefälligkeiten und Geld zu bestechen versuchen, buhlen die erotisch ausgehungerten Mitbürgerinnen ihrerseits um die Gunst des vermeintlichen Mannes von Welt. Der Besucher, der natürlich keineswegs der gefürchtete Revisor ist, sondern bloß ein abgebrannter, aber blitzgescheiter kleiner Ganove, nutzt die Gunst der Stunde und verlässt die Stadt reich beschenkt.

Im Gewand der Komödie zeigt Gogol eine verfilzte, auf Hierarchien ausgerichtete Gesellschaft zwischen Unterwürfigkeit und Größenwahn, Bestechung und Korruption. 1836 porträtierte er die russische Provinzseele vor dem Hintergrund des zaristischen Riesenreiches, dessen komplizierte Verwaltung dem Amtsmissbrauch Tür und Tor öffnete, und variierte dabei eine beliebte Mechanik der Dramatik des 19. Jahrhunderts: Eine vielleicht nicht ideale, an sich aber stabile Gesellschaft wird durch einen Fremden in den Ausnahmezustand versetzt, der eine Dynamik entfacht, die das System zerstört und Dinge ans Tageslicht bringt, die zuvor sorgsam verborgen waren. Wie dünn die Grenze dabei zwischen Tragödie und Komödie ist, zeigt sich auch hier: Wenn Chaos und Konfusion ausbrechen, lässt das Glücksrad die einen fallen und die anderen – zumindest für einen Moment – steigen.


 

Pressestimmen

Grelle Kostüme (Julia Plickat) und eine sich oft drehende und doch immer das gleiche, durchaus reizvolle Bild zeigende Bühne (Kathrin Frosch) unterstreichen die von Rottkamp intendierte Überzeichnung ins Groteske. Auch Tempo und Rhythmus der Inszenierung, perfekt auf die Musik von Daniel Fuchsberger, Stefan Matl und Bernhard Neumaier abgestimmt, sorgen für zügige eindreiviertel Stunden. [...] Raphael Muff gibt den Versager, der plötzlich für einen Revisor gehalten wird, als charmanten Möchtegern-Dandy und abgebrühten Zocker. Die korrpute Dorfgemeinschaft wird von Franz Solar als mit allen Wassern gewaschener Bürgermeister Anton Antonowitsch angeführt. Seine geltungssüchtige Frau ist bei Christiane Roßbach in besten Händen. [...] Julia Gräfner und Benedikt Greiner als Dobtschinski und Bobtschinski (sowie als Rest der verkommenen Kommune) dürfen als hochkarätiges Komödiantenpaar so richtig die Sau rauslassen.“ (Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 2. Oktober 2016)
 
Das Stück erfordert enorm viel Tempo, Präszision und auch Akrobatik (bei der sich vor allem Julia Gräfner in Hosenrolle voll entfaltet und berechtigten Szenenapplaus erhält). Das kommentierende Mitwirken des exzellenten Live-Orchesters (geleitet von Bernhard Neumaier) ist ebenfalls originell und reizvoll.“ (Werner Krause, Kleine Zeitung, 2. Oktober 2016)

Viel harte Arbeit steckt in der enorm auf das Tempo drückenden Inszenierung, auch vor dem präzisen Feinschliff und dem enorm motivierten Ensemble ist höchst respektvoll der Hut zu ziehen.“ (Werner Krause, www.kleinezeitung.at, Nachtkritik, 29. September 2016)

'Revisor' Raphael Muff setzt das Schwanken zwischen der Furch vor dem Gefängnis und der schwadronierend-coolen Arroganz des Hauptstädters sogar in seinen Bewegungen um. Franz Solar ist optisch eine Mischung aus Harald Schmidt und einem großkarierten Bürokraten.“ (Peter Kolb, APA, 30. September 2016)

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