Der Untergeher


nach dem Roman von Thomas Bernhard

Inhalt


„Wer je dem mitreißenden Glanz seines Wesens erlag, wird ihn kaum vergessen – und damit Mittelmaß gegenüber schrecklich unduldsam sein.“ 

(Joachim Kaiser, Nachruf auf den Pianisten Glenn Gould)



Ein namenloser Erzähler betritt das Gasthaus Dichtelmühle in Wankham. Von der Wirtin ist hinter dem schmutzigen Fenster zum Küchenraum nichts zu sehen. Der Erzähler stellt seine Reisetasche im Gastraum ab, und seine Gedanken beginnen zu kreisen. Er ist der Überlebende. Warum? In seinem Kopf reist er fast drei Jahrzehnte zurück nach Salzburg: Drei Pianisten, drei Freunde, eine Leidenschaft. Nur das Höchste gilt den hochbegabten Klavierstudenten am Mozarteum als wahre Kunst. Aber nur einer von ihnen ist das Genie, dem die Welt zu Füßen liegen wird. Als Glenn Gould die Goldberg-Variationen spielt, erkennen die beiden anderen, dass Goulds Genialität einzigartig ist und dass sie das selbstgesteckte Ziel nie werden erreichen können. Der eine verschenkt seinen Steinway an ein Lehrerkind und entschließt sich, „Weltanschauungskünstler“ und Autor zu werden, der andere, Wertheimer, lässt sein Klavier im Dorotheum versteigern. Gould selbst perfektioniert sein Spiel Tag für Tag, wird zum Weltstar und flieht gleichzeitig in die Einsamkeit. Zurück in der Gegenwart: Nachdem Gould mit 51 Jahren plötzlich am Klavier tot umfällt, nimmt Wertheimer sich das Leben. Jetzt stellt sich dem übriggebliebenen Freund die Frage nach einem Lebensziel zwischen Mittelmaß und Vollkommenheit neu. Er, der Überlebende, beschließt, noch einmal zum Haus Wertheimers zu gehen.



Bernhards Roman vom Klavierspieler Glenn Gould ist ein faszinierendes literarisches Spiel, in dem Authentisches und Erdichtetes ineinander fließen. Die virtuos erzählte Geschichte vom Virtuosen, der sich immer tiefer in die Einsamkeit spielt, wird von Christiane Pohle für die Bühne bearbeitet. Damit setzt die Regisseurin ihre erfolgreiche Arbeit mit Prosadichtungen von Thomas Bernhard im Theater fort.





ZUGABE zu Der Untergeher mit Robert Pfaller

In Zusammenarbeit mit Akademie Graz und Karl-Franzens-Universität



„Warum alles lächerlich ist, wenn man an den Tod denkt. Der Trost der Philosophie bei Thomas Bernhard“ – In der Reihe Zugabe präsentiert der Philosoph Robert Pfaller Überlegungen zu einem zentralen Themenkomplex Thomas Bernhards. Robert Pfaller unterrichtete Philosophie und Kulturwissenschaft unter anderem in Chicago, Berlin, Zürich und Linz. Seit 2009 ist er Ordinarius für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im Herbst 2012 erschien Zweite Welten. Und andere Lebenselixiere, in dem Pfaller seine Kulturkritik in politischer Richtung weitertreibt.

Im Anschluss an die Vorstellung laden wir Sie im Salon im 1. Rang ein, im gemeinsamen Gespräch mit Robert Pfaller und den SchauspielerInnen an die

Experteneinführung anzuknüpfen.



Am Mittwoch, 6. März, 18.15 Uhr, Foyer 3. Rang

Medien