Die Mitwisser

Österreichische Erstaufführung / Premiere im Februar 2019

Eine Idiotie von Philipp Löhle

Inhalt

Eine der rasantesten Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte ist die Digitalisierung vieler Lebensbereiche. Mit neuen Ästhetiken, Videotechnik, VR-Brillen oder auch dokumentarischem Material versucht das Theater, dieses uralte, zutiefst analoge Medium, das nach wie vor darauf baut, dass sich Menschen live begegnen, diese Prozesse sichtbar zu machen.

Ganz anders der Autor Philipp Löhle. In seinem charmanten Versuch, die Folgen der Digitalisierung zu zeigen, personalisiert er das Internet, das bei ihm Herr Kwant heißt: ein freundlicher Herr, hilfsbereit und zuverlässig. Herr Kwant kommt ins Haus, wenn man einen ellenlangen Vertrag unterzeichnet hat. Das Kleingedruckte hat man natürlich nicht gelesen, aber Herr Kwant ist gratis und wirklich praktisch! Wenn man zum Beispiel etwas wissen will, zieht er immer das richtige Dokument aus seiner Aktentasche, beim Autofahren weist er vom Beifahrersitz aus den Weg und nachts sitzt er diskret im Schlafzimmer in der Ecke und überwacht die Vitalfunktionen. Auch als persönlicher Assistent bei der Arbeit macht er sich nützlich: Bald wird man befördert, weil man mit seiner Hilfe doppelt so viel schafft.

Bis man entlassen wird, weil Herr Kwant einfach effizienter ist. Und als Geschäftsmann und Liebhaber hat er irgendwie auch mehr drauf, sodass die Frau lieber mit Kwant ins Bett geht als mit einem selbst. Mehr und mehr fangt Kwant an zu nerven: Er mischt sich ein, weiß alles besser und verführt zur Anschaffung von Dingen, die man überhaupt nicht braucht. Und das ist erst der Anfang. Denn längst hat sich das System Kwant flachendeckend ausgebreitet und still und leise eine Diktatur im Rücken der Menschen errichtet.

Gewitzt und mit vorgeblicher Naivität zeigt Löhle in dieser zutiefst analogen Retro-„Idiotie“, wie Gewöhnung zu gefährlicher Abhängigkeit führt, wenn das Besondere durch ständige Verfügbarkeit erst einmal normal geworden ist. Eine alte Wahrheit, die mehr und mehr Menschen empfinden, wenn sie auf ihr Smartphone blicken …

Inszenieren wird Felicitas Braun, die am Max Reinhardt Seminar Regie studierte und bereits erfolgreiche Arbeiten im Vestibül des Wiener Burgtheaters sowie an den Staatstheatern Wiesbaden und Oldenburg auf die Bühne gebracht hat.

REGIE Felicitas Braun
BÜHNE Timo von Kriegstein
KOSTÜME Aleksandra Kica

ORT & DAUER
HAUS ZWEI
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
WIR EMPFEHLEN IHNEN
HAUS DREI

Wie arbeiten wir morgen? In dieser Bürger*innenbühne berichten Spieler*innen davon, wie sie ihre Arbeit in der Zukunft aktiv gestalten.

HAUS ZWEI

Aus drei Stücken mach eins: Sibylle Berg schreibt über junge Frauen, die erst in WG-Küchen kochen, später Kinder bekommen und im Alter vom Leben auf dem Mars träumen. Es inszeniert Franz-Xaver Mayr („Am Boden“).

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