Einen Jux will er sich machen

Posse mit Gesang von Johann Nestroy
COUPLETS VON STEFANIE SARGNAGEL

Wiederaufnahme in der Saison 2019.2020

Inhalt

Wer wünscht sich das nicht: einmal dem Alltag entfliehen, alle Konventionen und Zwänge hinter sich lassen, für einen Moment ein anderer sein und Abenteuer erleben? Genau diese Sehnsucht veranlasst den braven, zuverlässigen Handlungsgehilfen Weinberl aus dem Ernst des Lebens auszubrechen, als sich ihm die Gelegenheit bietet: Sein Prinzipal, der Gewürzkrämer Zangler, reist in die Hauptstadt, um heimlich einer „Herzenssache“ nachzugehen. Inzwischen soll Weinberl das Geschäft bewachen, ehe ihn Zangler bei seiner Rückkehr zum Teilhaber befördern will. Angesichts dieser bevorstehenden restlosen Verhäuslichung – denn als Kompagnon wird er wohl kaum noch Zeit haben, das Geschäft zu verlassen – will Weinberl zumindest einmal in die große, weite Welt hinaus, ein „verfluchter Kerl“ sein, um später im geregelten Gewürzkrämerleben stolz auf dieses Abenteuer zurückblicken zu können. Gemeinsam mit seinem Lehrling Christopherl sperrt er deshalb heimlich den Laden zu und fährt ebenfalls nach Wien, um sich im Großstadtdschungel einen Jux zu machen. Doch die große, weite Welt ist oft kleiner als man denkt, und so laufen die beiden Abenteurer beinahe ihrem Dienstherrn in die Arme und taumeln auch sonst von einer Klemme in die nächste ...

Johann Nestroys 1842 entstandener Wirbel der Verkleidungen, Verwechslungen, der Scharaden und Verwicklungen besticht durch brillanten Sprachwitz und turbulente Situationskomik, entbehrt aber auch nicht der für ihn typischen satirischen Gesellschaftskritik. Denn auch in diesem Nestroy-Stück dreht sich schlussendlich alles ums Geld und um den Handel – alles ist Ware, selbst zwischenmenschliche Beziehungen.

Nach seiner erfolgreichen Inszenierung von „Der Talisman“ widmet sich der Grazer Regisseur Dominique Schnizer diesmal der wohl berühmtesten Komödie Nestroys. Die junge österreichische Autorin Stefanie Sargnagel wird dafür sorgen, dass es den Couplets nicht an aktuellen, humorvoll-bissigen Bezügen mangelt.

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Pressestimmen

„Man unterhält sich zweieinhalb Stunden blendend und sieht, was beim ‚Jux‘ gar nicht so einfach ist, zahlreiche neue Gags. [...] Rudi Widerhofer erinnert als Melchior an eine Vogelscheuche – und begeistert mit perfider Bauernschläue. Werner Strenger imponiert in dieser homogenen Inszenierung, in der ausgiebig steirisch gebellt wird, als cholerisch-herrischer Gewürzkrämer Zangler [...] Und der schnöselige ‚Piefke‘ August Sonders des Mathias Lodd ist wie von Wilhelm Busch gezeichnet. Doch Franz Xaver Zach spielt sie alle an die Wand: als alte Jungfer, die aussieht wie Königin Victoria – und vor Freude grandios mit den Händen flattert.“ (Kurier, Thomas Trenkler, 16.12.2018)

„Mit großem Ensemble gelingt Dominique Schnizer eine zügige, treffsichere Nestroy-Posse. [...] Die Aufführung ist im besten klassischen Sinn konventionell, das Ensemble [...] bietet eine Fülle origineller Charaktere. [...] Bühne und Kostüme (Christin Treunert) wirken bieder, der Aufbau an Zimmern mit Treppen, Türen, Fenstern und an Gebäudefronten ist jedoch raffiniert funktional. Auch das Musiktrio unter der Leitung Bernhard Neumaiers verleiht den zweieinhalb Stunden (inklusive Pause) gehörigen Schwung [...]. Die Couplets passen ebenfalls dazu. [...] diesmal war Stefanie Sargnagel dran. Man hört eine giftige Melange vertrauter Nestroy-Strophen und aktueller Ergänzungen – teils ordinär, teils hart regierungskritisch und öfters sogar richtig treffsicher. Die Couplets singt Franz Solar, ein Meister der Melancholie. Er glänzt als braver Kommis Weinberl, der sich einen Jux machen will, um am Ende restlos angepasst zu sein. Dem Lehrjungen Christopherl verleiht Clemens Maria Riegler passende Aufsässigkeit. Werner Strenger spielt lautstark den Gewürzkrämer Zangler. [...] Auf den Punkt bringt Rudi Widerhofer die Traumrolle des einfältigen neuen Hausknechts Melchior: ‚klassisch!‘. Anna Szandtner und Evamaria Salcher überzeugen als heiratswillige ältere Damen. Die beste Frauenrolle aber bietet Franz Xaver Zach als alte Jungfer – Nestroy pur als Travestie.“ (Die Presse, Norbert Mayer, 17.12.2018)

„Mit viel Gespür für Tempo, Witz und Hintergründigkeit hat Regisseur Dominique Schnizer im Grazer Schauspielhaus Johann Nestroys ‚Einen Jux will er sich machen‘ in Szene gesetzt. Die Ausstattung zeigt viel vom biedermeierlichen Original, Pointen landen punktgenau und das Timing ist gut ausbalanciert, was bei der Premiere am Freitag für Kurzweil und Amüsement sorgte. [...] Das ausgezeichnete Ensemble wurde angeführt von Franz Solar, der der Figur des Weinberl einen tragischen Unterton und jede Menge verzweifelten Humor verlieh. Clemens Maria Riegler (Christopherl) war von bestechender Einfalt und guter Laune, während Anna Szandtner (Madame Knorr) als stets angeheiterte, leicht überdrehte Absinth-Freundin eine (Komödien-)Klasse für sich war. Jede Menge Lacher erntete Franz Xaver Zach, der Fräulein Blumenblatt als Queen Victoria anlegte und souverän-schwärmerisch einer alten Liebe gedachte und zierlich mit dem Taschentuch wedelte. [...] Einen autoritär polternden Gewürzkrämer gab Werner Strenger, eine bodenständige Witwe mit Eleganz war Evamaria Salcher. Als beinahe verhindertes Liebespaar gefielen Maximiliane Haß (Marie) und Mathias Lodd (August). Die originelle Musik nach Motiven von Adolf Müller sen. gestaltete Bernhard Neumaier.“ (APA, Karin Zehetleitner, 15.12.2018)

„Dominique Schnizer inszeniert am Grazer Schauspielhaus Nestroys Posse ‚Einen Jux will er sich machen‘ als gut geölte Pointenmaschine. Ein programmierter Publikumsrenner. [...] Dass er [Regisseur Dominique Schnizer, Anm.] darauf verzichtet, jeden einzelnen Wortwitz zu feiern, jeden Running Gag zu Tode zu reiten, tut dem viel gespielten Stück gut. [...] Im recht traditionellen Setting setzt die großartige Livemusik von Bernhard Neumaier gegenwärtige Akzente, reißen Stefanie Sargnagels neue Coupletstrophen die Inszenierung mit scharfen Witzen über politische Trends und bürgerliche Geistesträgheit aus allzu viel Possierlichkeit. Daneben bestechen Rudi Widerhofer als Hausknecht voll komischer Würde, Werner Strenger als sauertöpfischer Krämer, Evamaria Salcher als temperamentvolle Witwe und Anna Szandtner als Modistin mit stets gut gepflegtem Damenspitzerl. Den größten Lacherfolg des Abends aber erntet Franz Xaver Zach, der als träumerisches Fräulein Blumenblatt von fülliger Grandezza Lanzen für die Liebe bricht – sehr gelungen [...] Langer Applaus für einen flotten, gagreichen und gewiss publikumsträchtigen Abend.“ (Kleine Zeitung, Ute Baumhackl, 16.12.2018)

„Franz Solar und Clemens Maria Riegler spielen mit viel Gusto das Unglücksraabenpaar [...] Der flotte Abend funktioniert dank exakter Körperkomik und burleskem Timing. In die Gegenwart geholt wird diese Inszenierung durch Bernhard Neumaiers famose Musik und Stefanie Sargnagels smarte Couplets, die an Beispielen wie Arbeitsrecht, Integration und heimische Demonstrationsroutinen, von Anpassungsdruck und politischem Opportunismus erzählen.“ (www.kleinezeitung.at, Ute Baumhackl, 14.12.2018)

„Franz Solar (Weinberl) und Clemens Maria Riegler (Christopherl) [...] sind auch hier ein komödiantisch perfekt abgestimmtes Unglücksduo, dem Werner Strengers Zangler als grimmige Instanz entgegentritt. Makellos lustig sind auch Evamaria Salcher, Maximiliane Haß und Mathias Lodd. Dazu kommen die Gäste Matthias Ohner und Rudi Widerhofer, der als Melchior wunderbare Pointen servieren darf. Die größten Lacher jedoch gehen auf das Konto von Franz Xaver Zach als schnupftabaksüchtige Wuchtbrumme Fräulein von Blumenblatt. Musikalisch setzt Schnizer erneut auf Bernhard Neumaier, der die Couplets wunderbar zum Raunzen bringt, denen Stefanie Sargnagel kontemporären Biss andichtet: Die politische Überreizung des Ausländerthemas wird von ihr genauso angesprochen wie die Unverschämtheit des Geldadels und die Trägheit des (Bildungs-)Bürgertums.“ (Kronen Zeitung, Christoph Hartner, 16.12.2018)

TERMINE
Fr, 14. Dez 19:30 - 21:50
PREMIERE
Sa, 28. Sep 19:30 - 21:50
Do, 10. Okt 19:30 - 21:50
ORT & DAUER
HAUS EINS
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 2 Stunden 20 Minuten, eine Pause
BESETZUNG
BÜHNE UND KOSTÜME
Christin Treunert
MUSIKALISCHE LEITUNG
Bernhard Neumaier
DRAMATURGIE
Karla Mäder
ZANGLER, GEWÜRZKRÄMER IN EINER KLEINEN STADT
Werner Strenger
MARIE, DESSEN NICHTE UND MÜNDEL
Maximiliane Haß
WEINBERL, HANDLUNGSDIENER BEI ZANGLER
Franz Solar
CHRISTOPHERL, LEHRJUNGE BEI ZANGLER
Clemens Maria Riegler
FRAU GERTRUD, WIRTSCHAFTERIN BEI ZANGLER
Elisabeth Wondrack
MELCHIOR, EIN VAZIERENDER HAUSKNECHT
Rudi Widerhofer
AUGUST SONDERS
Mathias Lodd
MADAME KNORR, MODEWARENHÄNDLERIN IN DER HAUPTSTADT
Anna Szandtner
FRAU VON FISCHER, WITWE
Evamaria Salcher
FRÄULEIN VON BLUMENBLATT, ZANGLERS SCHWÄGERIN
Franz Xaver Zach
DIENSTMÄDCHEN
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