Fake Metal Jacket

Uraufführung

von Sven Recker

Inhalt

Peter Larsen ist Kriegsreporter. Er steht auf der Seite der Guten, geht dahin, wo es richtig wehtut, ist im Gespräch mit Stringern, Schleppern, Schleusern, Warlords – live und in Farbe, dicht dran am Schmerz, mit verwackelter Handkamera und flotter Schreibe, blitzschnell ins Internet hochgeladen. Momentan berichtet er aus einem der heißesten Kriegsgebiete der Welt: aus Syrien.

Allerdings ist alles Fake. Die Syrer in seinen Internetfilmchen: ein paar verkleidete Afghanen aus dem Asylheim. Der Seelenverkäufer auf dem Mittelmeer: ein abgewrackter Ruderkahn auf einem heimischen See. Der Geschosslärm im Hintergrund: einfach aus dem Internet heruntergeladen. Aber 18.000 Follower bei Twitter: „Das trendet wie Sau“. Larsen ist seine eigene Marke geworden.

Ohne seinen Kumpel Ahmad würde das Ganze allerdings nicht funktionieren. Ahmad Alian, geboren in Syrien, inzwischen in Berlin lebend, hat das politische Interesse an der syrischen Revolution und Kontaktleute in der alten Heimat, die Ideen für Geschichten liefern und Larsens Facebook-Account füttern. Und Ahmad hat eine bildhübsche Cousine, die dringend aus Syrien nach Deutschland flüchten muss. Larsen rückt aus zum Helfen und ist plötzlich wirklich in Damaskus. Allerdings findet er sich, einmal mehr Opfer seiner Eitelkeit geworden, nicht im Kugelhagel wieder, sondern in einem Luxushotel. Und die Story seines Lebens wird zur Reise in eine Wahrheit, die komplexer ist als alle kurzatmigen News …

Seit die Digitalisierung Nachrichten zu einer immer einfacher konsumierbaren und immer schneller und billiger zu produzierenden Ware gemacht hat, sind die Inhalte greller und härter geworden. Das weiß auch Reporter Larsen: „Ein 14-Jähriger allein über das Meer, das interessiert längst keine Sau mehr … Jedes deutsche Käseblatt hat mittlerweile einen Syrer, der Tagebuch schreibt und erzählt, wie scheiße das ist da unten.“ Sven Recker, selbst jahrelang Entwicklungshelfer für den Aufbau unabhängiger Medien in Krisenregionen, öffnet uns die Augen über Fake-News, korrupte Journalist*innen und die Leichtgläubigkeit des Publikums. Packend und desillusionierend erzählt er über die Wahrheit im Zeitalter ihrer technischen Produzierbarkeit.

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Pressestimmen

„In der flüssigen Inszenierung von Tom Feichtinger wird das Schauspielhaus 3 zum gestellten Kriegsschauplatz, an dem aus der Lüge kein Geheimnis gemacht wird. Larsson-Darsteller Raphael Muff gibt den Hochstapler mit feiner Balance zwischen eitler Erregung und ertappter Ängstlichkeit. Julia Gräfner besticht in zahlreichen Nebenrollen [...]“ (Kleine Zeitung, Daniel Handler, 09.11.2018)

TERMINE
Sa, 15. Sep 18:00 - 19:15
PREMIERE
Mi, 19. Dez 20:30 - 21:45
Do, 27. Dez 20:30 - 21:45
Sa, 05. Jän 20:30 - 21:45
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ORT & DAUER
HAUS DREI
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause
BESETZUNG
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HAUS DREI

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Medien