Götterspeise

Österreichische Erstaufführung

von Noah Haidle
AUS DEM ENGLISCHEN VON BARBARA CHRIST

Inhalt

Kann man durch Kochen die Welt verbessern? Welche Zutaten braucht es, um in einer Ellenbogengesellschaft voller Individualist*innen für mehr soziale Wärme und ein besseres Miteinander zu sorgen? „Mitgefühl ist der einzige Weg, wie die Welt noch zu retten ist“, sagt Constant, eine begabte und hingebungsvolle Autodidaktin am Kochlöffel. Im Handumdrehen revolutioniert sie den faden Speiseplan ihrer alten Schulkantine. Und tatsachlich: Für eine Weile wird die Mensa-Tristesse dank Roastbeef in Rotweinsoße und Crème Brûlée – abgeschmeckt mit viel Leidenschaft und Zuwendung – aufgehoben und Verständnis und Harmonie breiten sich im Schulgebäude aus. Doch auch für Köch*innen und Gourmets ist der Alltag kein Zuckerschlecken. Von ihrem Geliebten, einem verheirateten und doch einsamen Mathematiklehrer, geschwängert und sitzengelassen und schließlich von der Schulleitung aus Kostengründen wegrationalisiert, rastet die Köchin aus. Doch die „Heilige Constant der Cafeteria“ gibt nicht auf. Als alleinerziehende Mutter setzt sie ihren Feldzug für Nächstenliebe, Mitgefühl und besseres Essen fort – unbeirrbar und am Ende doch in die Irre laufend.

Der amerikanische Dramatiker Noah Haidle, geboren 1978, ist in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Theaterraum für seine tragikomischen Grotesken bekannt geworden, die den Kampf des Menschen mit den Verstrickungen des Alltags im Kleinen aufspüren und vergrößern. Der „heitere Apokalyptiker“ („Die Zeit“) treibt seine meist rettungslos optimistischen Hauptfiguren in einer Mischung aus Poesie und Absurdität durch eine komisch-kaputte Welt zwischen Traum und Albtraum. Dabei gewinnen diese Expert*innen des Alltags in ihrer Beharrlichkeit für kurze Momente mitunter die tragische Große antiker Dramenheld*innen, nur um kurz darauf wieder unsanft in die Banalität des Provinzlebens zurückgeholt zu werden. Die Stücke des Vielschreibers Haidle sind eine höchst abwechslungsreiche Speise, nicht nur für die Götter!

Pressestimmen

„Es ist eine tieftraurige Geschichte im Ausmaß einer griechischen Tragödie, die Autor Noah Haidle in ‚Götterspeise‘ oft in ein skurriles Gewand verpackt. Regisseur Jan Stephan Schmieding setzt in seiner Inszenierung am Schauspielhaus mit dem Einsatz von Masken noch eins drauf und bereitet der groß aufspielenden Julia Gräfner einen idealen Boden. [...] Schmieding kann sich bei der Umsetzung seiner vielleicht manchmal etwas zu breit ausgelegten Ideen auf ein hervorragendes Ensemble verlassen. Allen voran natürlich Julia Gräfner, die als Constant den Abend dominiert. [...] Durch den Abend getragen wird sie von Florian Köhler, Oliver Chomik, dem herrlich trockenen Florian Stohr, Nanette Waidmann und Maximiliane Haß. Und der Musik von Bernhard Neumaier. [...] Die Produktion lässt einen übrigens nachdenklich zurück, hat man sich doch als Zuschauer gut amüsiert – bei Themen wie Einsamkeit, Ausweglosigkeit, Liebesverlust, Kindesabnahme, Gewalt und Mord.“ (krone.at, Michaela Reichart, 16.03.19)

„Regisseur Jan Stephan Schmieding setzt Haidles melodramatischem Impetus mit viel Gespür für Rhythmus und starke Bilder eine pointenstreichelnde Inszenierung entgegen, die Milieuschilderung und Gesellschaftskritik hintenanstellt und die düstere Mechanik der Ereignisse betont. [...] allen voran für Constant, der die einmal mehr fabelhaft aufspielende Juli Gräfter Würde verleiht. [...] großartig, wie farbenreich Gräfner diesen Charakter an der Grenze der Zerrüttung ausmalt. Um sie gruppiert sich mit Florian Köhler, Oliver Chomik, Florian Stohr, Nanette Waidmann, Maximiliane Haß ein Ensemble, das schwierige Rollenwechsel mit und ohne Maske bravourös meistert. Zu den starken Situationen und Momenten [...] tragen neben Schmiedings gelenkiger Regie auch Rosa Wallbrechers kantige, kühle Bühnenbilder und Bernhard Neumaiers melancholisierte Popklassiker bei; Thomas Trummers berückendes Licht, Tanja Krambergers strenge Kostüme und Dieter Schäffners Masken.“ (Kleine Zeitung, Ute Baumhackl, 17.03.19)

„Das Stück aus der Feder des amerikanischen Autors Noah Haidle unter der Regie von Jan Stephan Schmieding begeisterte im ausverkauften Schauspielhaus. [...] In der ersten Hälfte [...] erzeugt das gesamte Ensemble mit ihren Masken eine besondere Atmosphäre. [...] eine ideale Voraussetzung für Julia Gräfner, um als Constant sowohl mit als auch ohne Maske zu brillieren. Überzeugend agiert auch das restliche Ensemble mit Florian Köhler, Oliver Chomik, Florian Stohr, Nanette Waidmann und Maximiliane Haß.“ (dorfzeitung.com, Matthias Traintinger, 19.03.19)

ORT & DAUER
HAUS EINS
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause
PREMIERE
15. März 2019, HAUS EINS
Medien