Lulu – Eine Mörderballade

Österreichische Erstaufführung

The Tiger Lillies nach Frank Wedekind
LIEDER IN ENGLISCHER SPRACHE MIT DEUTSCHEN ÜBERTITELN

 

Inhalt

In allen Bereichen der westlichen Gesellschaft werden derzeit tief verwurzelte chauvinistische Strukturen aufgedeckt, kommen sexuelle und verbale Übergriffe ans Licht. Der Befund: Auch gut hundert Jahre nach dem Entstehen der Frauenrechtsbewegung ist die Gleichberechtigung noch nicht Realität geworden, Machtstrukturen sind nach wie vor oft männlich geprägt.

Frank Wedekinds zweiteilige „Lulu“-Tragödie, die die Dramen „Der Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ verbindet, und an der er von 1892 bis 1913 arbeitete, bietet eine dunkel-schillernde Spiegelfläche für diesen ernüchternden Sachverhalt. „Lulu“ zeigt wie ein Kaleidoskop in jeder Begegnung zwischen den Geschlechtern die Facetten des Machtverhältnisses zwischen Frau und Mann. An dem unbändigen Willen der Titelfigur, ihre Freiheit und ihre Bedürfnisse uneingeschränkt auszuleben, kristallisieren sich Vermögen und Unvermögen des männlichen Geschlechtes heraus. Denn Lulu, die als Theaterfigur die bürgerlichen Konventionen ihrer Zeit sprengte und reihenweise für Skandale sorgte, stellt sich auch zur Verfügung – als Geliebte, Projektionsfläche, Kunstobjekt, Mutterersatz, Femme fatale – solange und soweit es ihr gefällt. Schwer auszuhalten für das „starke“ Geschlecht. Reihenweise fallen die Männer diesem faszinierenden, rätselhaften und nicht zu kontrollierenden weiblichen Wesen zum Opfer: Hörigkeit, Eifersucht, Selbstmord und Herzattacken sind die Folgen. Bis Jack the Ripper auf den Plan tritt.

Mit ihrer düster-bizarren musikalischen Überschreibung von „Lulu“ in 18 Songs schaffen „The Tiger Lillies“ einen zirzensischen Assoziationsraum, in dem das Kräftemessen um Freiheit und Selbstbestimmung, Begierde und Abhängigkeiten zwischen den Geschlechtern bildstark und poetisch zur Geltung kommt. Schauspiel- und Opernregisseur Markus Bothe, der für das Schauspielhaus Graz zuletzt „Cyrano de Bergerac“ und „Tartuffe“ mit großem Erfolg auf die Bühne brachte, wird inszenieren, für die musikalische Leitung zeichnet Sandy Lopičić verantwortlich.

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Pressestimmen

„Frank Wedekinds Monstertragödie ‚Lulu‘, im Grazer Schauspielhaus dargeboten in 18 Songs, ist eine radikale und eindringliche Glanznummer. [...] Regisseur Markus Bothe präsentiert [...] eine exzellente, eindringliche und beklemmende Bühnenversion. [...] Lulu, grandios und enorm facettenreich gespielt von Julia Franz Richter, bleibt lange sprachlos und stumm, ehe sie in einem furiosen Finale zur großen Abrechnung ausholt. Wunderbar ist die Idee, das kleine Puppenheim, auf dem Lulu am Beginn sitzt, in eine Mischung aus Lust-WG und Puff zu verwandeln (Bühne: Alexandre Corazzola). Reich an Emotionen ist die musikalische Umsetzung von Sandy Lopičić. Live mit seiner famosen Band dargeboten. Ein kleines großes Gesamtkunstwerk ist da geglückt, reich an optischen Einfällen, noch reicher an diabolischem Spielwitz eines hoch motivierten Ensembles, das auch gesanglich imponiert. Eine tiefe Verbeugung vor Jörg Thieme, Mathias Lodd, Clemens Maria Riegler, Andri Schenardi und Rudi Widerhofer für ihre vielschichtigen Beiträge zu einem tückisch schillernden Glanzstück. Nur 80 Minuten dauert der Spuk, aber groß ist der Nachhall, mit gebührendem, langen Applaus bedacht.“ (Kleine Zeitung, Werner Krause, 07.10.2018)

„Julia Franz Richter ist eine großartige Lulu, blondgelockt, ein trotzig kalter Blick, katzenhaft, irgendwo zwischen Marylin Monroe und Madonna angesiedelt. [...] Als ihr [Lulus] Ziehvater Shig hält Jörg Thieme die Zügel in der Hand, eine Erscheinung wie ein Stahlmesser. Den Männern, die um Lulu herum sind, verleihen Mathias Lodd (Shunning), Clemens Maria Riegler (Alwa), Andri Schenardi (Schwartz) und Rudi Widerhofer (Dr. Goll) sehr unterschiedliche Profile. Die Musik ist bei Sandy Lopičić wie immer in besten Händen. Ein spannender Abend, der in seiner konzentrierten Direktheit unter die Haut geht.“ (APA, Karin Zehetleitner, 06.10.2018)

„Die Aufführung ist einfallsreich, musikalisch hinreißend und schauspielerisch großartig. [...]“ (Die Presse, Barbara Petsch, 09.10.2018)

„Als ‚Musical‘, konzentriert auf die Songs, gelangte ‚Lulu – Eine Mörderballade‘ nun am Grazer Schauspielhaus zur fulminanten österreichischen Erstaufführung. Erstens, weil Sandy Lopičić als musikalischer Leiter mit seiner Band für den typischen Sound der Tiger Lillies sorgt, basierend auf Klavier, Akkordeon und Schlagzeug; [...] in der äußerst pointierten Regie von Markus Bothe mit viel Pantomime und drastischem Witz schnüffelt, hechelt ein ganzes Rudel notgeiler Hyänen (‚Tits! Tits!‘) dem blutjungen Ding hinterdrein, das nicht recht weiß, wie ihm geschieht: Die Lulu der Julia Franz Richter spielt doch nur, sie turnt, tanzt, tänzelt. Als Opfer irrlichtert sie stumm durch die Welt der Männer. [...] In karikaturhaften Kostümen von Justina Klimczyk machen sich die Männer (Clemens Maria Riegler, Andri Schenardi, Mathias Lodd) zum Affen. Über all dem wacht Jörg Thieme, stimmlich sehr stark, als diabolischer Conférencier und ‚Vater‘. Erst ganz zum Schluss darf Lulu, die geschundene Kreatur in High Heels, mit dem Song ‚My Heart Belongs to Daddy‘ von Cole Porter berühren. Eifrig bejubelte 80 Minuten.“ (Kurier Online, Thomas Trenkler, 10.10.2018)

„Regisseur Markus Bothe lässt sich nicht zweimal bitten und zeigt diesen makabren, grausamen Totentanz in seiner ganzen Drastik und Brutalität. Vieles ist lächerlich überzeichnet, und doch bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Alexandre Corazzolas aus den Fugen geratener Puppenhaus-Bühnenraum und die schrillen, eindeutigen Kostüme von Justina Klimczyk unterstreichen die abgründige Atmosphäre. Der musikalische Part ist bei Sandy Lopičić und seinen auch schauspielenden Mannen (Michael Duknych, Raphael Meinhart, Sašenko Prolić) in besten Händen. Und dass im Grazer Ensemble viele stimmgewaltige Schauspieler zu finden sind, wurde auch diesmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mathias Lodd als großkotziger Shunning, Clemens Maria Riegler als sein frühreifer Sohn Alwa, Rudi Widerhofer als sabbernder Dr. Goll und allen voran Andri Schenardi als playboyhafter Schwarz arbeiten sich an Lulu ab. Der fast stummen Rolle verleiht Julia Franz Richter große Bühnenpräsenz, zum Schluss auch eine in mehrfacher Hinsicht Wahnsinns-Stimme. Als dämonischer Shig glänzt zudem stimmlich wie darstellerisch Jörg Thieme. Diese knackig kurze ‚Lulu‘ ist nichts für schwache Nerven, aber unbedingt sehenswert!“ (Kronen Zeitung, Michaela Reichart, 07.10.2018)

TERMINE
Fr, 05. Okt 19:30 - 20:50
PREMIERE
Mi, 02. Jän 19:30 - 20:50
Do, 03. Jän 19:30 - 20:50
Sa, 02. Feb 19:30 - 20:50
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ORT & DAUER
HAUS EINS
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause
BESETZUNG
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