Audioeinführung „Malenkaya Strana (Kleines Land)“

Malenkaya Strana (Kleines Land)

Eine Performance von und mit Tamara Semzov
Szenische Neueinrichtung Claudia Bossard

Inhalt

Tamara Semzov wurde in der Ukraine in eine russisch-jüdische Familie geboren. Im Jahr 2000 gelangte sie als 7-Jährige nach Deutschland und war praktisch über Nacht mit einer neuen Sprache, einer neuen Kultur und Mentalität, neuen Freund*innen, neuem Essen und neuen Regeln des Zusammenlebens konfrontiert. War in Charkow noch der Plattenbau mit vielen Nachbarskindern Heimat, soll es plötzlich das Auffanglager in der niedersächsischen Provinz sein.
 
Heute spricht Tamara Semzov akzentfrei Deutsch, vor einem Jahr schloss sie ihr Diplom als Schauspielerin an der Kunstuniversität Graz ab, wo sie seit fünf Jahren zu Hause ist. Ihre Geschichte ist das Paradebeispiel für eine gelungene Integration.
 
Anpassungsfähigkeit ist zwar eine der Grundbedingungen des Überlebens, aber man bezahlt dafür einen hohen Preis: Der Verlust der Wurzeln, der Heimat, ist eine Wunde, die Ausgewanderte vielleicht lebenslang begleitet. Die Erinnerungen, den Schmerz und die Sehnsucht fruchtbar zu machen, ist allerdings das Privileg einer künstlerischen Auseinandersetzung. Und so konfrontiert sie das Publikum mit den Fragestellungen und Emotionen, die mit Migration, Heimat und Anpassung zusammenhängen. Es ist die Geschichte einer Spätaussiedlung aus der Ukraine aus der Perspektive eines Kindes, einer Jugendlichen und jungen Frau, die in Charkow in den 90ern, in Hannover in den 2000ern und hier und heute in Graz spielt.

Tamara Semzov entwickelte die Performance, die in HAUS DREI in neuer, adaptierter Form zu sehen sein wird, im Jahr 2015 als Diplomprojekt am Ende ihres Schauspielstudiums an der Kunstuniversität Graz unter der Betreuung von Univ.Prof. Ute Rauwald. Die Fotos der Plattenbauten stammen vom Fotografen Till Rimmele.

Pressestimmen

Ihre stärksten Momente hat die Performance, wenn die ganze Fragilität der gängigen Begrifflichkeiten mit Wucht zutage tritt. Wenn sich in der Identität" jene Brüche auftun, die keine "Heimat" zulassen. Wenn Semzov in riesigen Taschen versinkt und sich in einfach strukturierten Szenen die ganze Komplexität der individuellen Verortung" zeigt. Mit einem guten Gespür für Humor [...] mit großer Leidenschaft, aber ohne Hang zur Fatalität begeistert Semzov das Publikum.“ (Daniel Hadler, Kleine Zeitung, 30. September 2016)
 
In kurzen, lose verknüpften und oft interaktiven Szenen konfrontiert Semzov sich selbst und das Publikum mit Momenten ihrer Migrationsgeschichte und Fragen zu Identität und Heimat, zu Integration und Assimilation. Mit einem gut ausgeloteten und stark auf die Bühne gebrachten Mix aus Humor und Tiefgang blickt sie auf Wunden, die eigentlich längst verheilt sein sollten, deren Narben aber immer noch schmerzen.“ (Christoph Hartner, Kronen Zeitung, 30. September 2016)

ORT & DAUER
HAUS DREI
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause
Medien
Audioeinführung „Malenkaya Strana (Kleines Land)“