schlammland gewalt

Österreichische Erstaufführung

von Ferdinand Schmalz

Inhalt

Ausnahmezustand in einem Dorf in den Bergen. Der Tag des Dorffestes ist eigentlich der, an dem alles stimmt, an dem Uneinigkeiten des Alltags ruhen und Spaß mit Brathendl, Blasmusik und Bier auf Kommando funktioniert. An diesem Tag aber ist alles anders, es scheinen höhere Mächte am Werk zu sein, so stimmt nicht einmal das Wetter und mit dem sumpfiger werdenden Festzeltgelände nimmt die Katastrophe ihren Lauf.

Wenn Weltanschauungen und Wertvorstellungen aufeinanderprallen, werden Konflikte hier so ausagiert: Dorfkönig Zeiringer stopft der Sandra das Maul, weil sie Dinge prophezeit, die er nicht hören will und sie damit die Regel missachtet, die ihm alleiniges Rederecht garantiert. Als sich Sandra ausgerechnet mit seinem Sohn Toni, der sowieso eine große Enttäuschung für den Vater ist, davonstiehlt, rastet er richtig aus. Da bricht ein Damm und die Veränderungen und Neuordnungen sind nicht aufzuhalten, die Mure rauscht den Berg hinab und begräbt alles und alle unter sich. Fast alle …

„schlammland gewalt“ ist ein sprachmächtiger Text, aus der Perspektive des Hendlbraters erzählt, der aus dem Abseits eine gute Perspektive auf die Festgesellschaft hat und dadurch klarer erkennen kann, was schief läuft in dem Dorf. Er sieht, dass auch dort, wo seit 30 Millionen Jahren ein mächtiges Gebirge scheinbar unverrückbar in der Landschaft steht, Veränderung unvermeidlich ist. Dass das unkontrollierte patriarchale Verhalten des Zeiringer überholt ist, dass die Welt sich verändert hat. Das bedeutet, dass auch andere Stimmen zu Wort kommen und Machtverhältnisse sich neu ordnen.

In seinem unverkennbaren, vielfach preisgekrönten Stil, der geprägt ist von metaphorischer Verdichtung, Sprachspiel und Austriazismen, zeigt Ferdinand Schmalz, der Bachmann-Preisträger von 2017 ein weiteres Mal, was die Verunsicherung durch das Gefühl, keinen festen Boden unter den Füßen zu haben, auslösen kann. Den Diskurs um Forderungen für Neuordnungen von Rollenbildern hat auch Sophie Passmann in ihrem im März 2019 erschienenen Buch „Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch“ aufgegriffen. Ausschnitte aus den Gesprächen, die sie dazu mit verschiedenen Männern geführt hat, werden dem Text von Ferdinand Schmalz einleitend vorangestellt.

„schlammland gewalt“ ist die dritte Inszenierung eines abendfüllenden Schmalz-Textes im Schauspielhaus. Inszeniert wird er von der jungen Regisseurin Christina Tscharyiski, deren Inszenierung „Ja, eh! Beisl, Bier und Bachmannpreis“ mit Texten von Stefanie Sargnagel und Musik von Voodoo Jürgens beim Dramatiker|innenfestival im Juni 2018 in Graz zu sehen war. Auch diesmal wird es wieder musikalisch, für das Dorffest passend mit Blasmusik.

Pressestimmen

„Es ist ein Abend voller Emotionen, geschickter Wortspiele und Lachern, die einem im Hals stecken bleiben. Zu Recht tosender Applaus.“ (Kleine Zeitung Steiermark + Graz/Kärnten + Klagenfurt, Teresa Guggenberger, 30.03.19)

„Ferdinand Schmalz überzeugt wieder einmal mit seiner originellen Sprache, die treffend, hart und oft von trockenem Humor ist. Die Regie von Christina Tscharyiski ist äußerst körperbetont, die beiden Darsteller meistern ihre Aufgabe aber hervorragend - ein komprimierter, sehenswerter Abend im Bierzelt ohne jede Gemütlichkeit.“ (Karin Zehetleitner, APA, 29.03.19)

 „‚schlammland gewalt‘ gleicht einem Langgedicht, dessen unorthodoxe Satzstellungen [...] jene Sogbewegung erzeugt, die in die Katastrophe der Muräne führt. Diesen immer heißer werdenden Monolog hat Regisseurin Christina Tscharyiski ohne Firlefanz als zweistimmigen, prononciert agierten Einstünder inszeniert. Eva Mayer und Clemens Maria Riegler lassen sich in der an vier Seiten vom Publikum gesäumten Arenabühne (Haus 3) die Sätze auf der Zunge zergehen.“ (Der Standard, Margarete Affenzeller, 02.04.19)

„So poetisch und kulinarisch die Texte von Ferdinand Schmalz auch sind, so messerscharf ist seine gesellschaftliche Analyse. Im Haus Drei ist nun ‚schlammland gewalt‘ in einer bestechenden Inszenierung von Christina Tscharyiski zu sehen. [...] zeigt Regisseurin Christina Tscharyiski im überaus gelungenen Bühnenbild von Sarah Sassen eine sehr akribisch gearbeitete, ganz auf den Text konzentrierte und nicht zuletzt dank der beiden Darsteller sehr drastische und lebendige Auseinandersetzung mit diesem wunderbaren Text. Den teilen sich Eva Mayer und Clemens Maria Riegler, beleben ihn mit ungeheurem Einsatz und sprachlicher Genauigkeit und entführen gemeinsam mit der hauseigenen Blaskapelle auf ein Dorffest der Gewalt, der Liebe und des Genusses. Ein so kurzer wie kurzweiliger Theaterabend, der einen trotz der gewalttätigen Note mit dem erstaunlich guten Gefühl nach Hause schickt, dass die Gerechtigkeit sich durchsetzt.“ (Kronen Zeitung, Michaela Reichart, 30.03.19)

„Mit Christina Tscharyiski ist in Graz jetzt also eine zugange, die des Volkes wahren Himmel mit sagenhafter Lust auszumalen versteht. [...] Das schildern Eva Mayer und Clemens Maria Riegler in einer ur-gewaltigen Doppelconference. Er hat was überlegen Schelmisches an sich. Oft leicht gebückt und mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund, lässt Mayer manchmal an Figuren in Bildern des Bauern-Brueghel denken. Wenn die beiden über weite Strecken den Text unisono zitieren, gewinnt die Sache beinah archaische Gewalt, was urkomisch wirkt im Kontrast zu den leitmotivisch angestimmten Lobgesängen auf fetttriefende Backhendl.“ (nachtkritik.de/Wiener Zeitung/DrehPunktKultur.at, Reinhard Kriechbaum, 29.03.19)

„Eva Mayer und Clemens Maria Riegler beeindrucken in ihren Rollen und werden mit Blasmusik, wie bei Dorffesten üblich, unterstützt.“ (dorfzeitung.com, Matthias Traintinger, 30.03.19)

TERMINE
Do, 28. Mär 20:30 - 21:30
PREMIERE
Sa, 25. Mai 20:30 - 21:30
Mo, 03. Jun 20:30 - 21:30
Do, 06. Jun 20:30 - 21:30
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HAUS DREI
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde, keine Pause
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