Schwarze Milch

Österreichische Erstaufführung

Wassilij Sigarew
Aus dem Russischen von Alexander Kahl

Inhalt

Ein Pärchen steht am Bahnhof irgendeines gottverlassenen Nests irgendwo in den unendlichen Weiten Russlands. Die beiden, die hochschwangere Schúra und ihr Freund Ljówtschik, sind äußerst geschäftstüchtige Leute und bloß auf der Durchreise: Bringen sie doch der Landbevölkerung die Zukunft direkt ins Haus, und zwar in Form eines Toasters der Marke „Junit“. Wobei es bei ihrer mäßig ausgebufften Verkaufsstrategie eher weniger darauf ankommt, ob die Provinz bereits mit einem Anschluss an das Stromnetz gesegnet ist oder nicht. Doch kurz bevor der einzige fahrplanmäßige Zug des Tages Einfahrt ins moosige Mochowoje hält, bekommt die schläfrige, weil leicht wodkageschwängerte Idylle auf dem Bahnsteig Dellen: Eine Truppe unzufriedener Toasterbesitzer*innen rückt den Verkaufsgenies aus der Großstadt auf den Pelz und will ihr Geld zurück …

Der 1977 im Ural geborene Schriftsteller und Journalist Wassilij Sigarew hat mit „Schwarze Milch“ eine so anrührende wie groteske Geschichte über Heimat und Entwurzelung, Fortschrittsglaube und Konsumzwang verfasst. Was macht das Leben in der (Post-)Moderne, eine aktive Teilnahme am immer schneller und unübersichtlicher werdenden Lauf der Welt letztendlich aus, welche Bedürfnisse und Sehnsüchte sind fürs Glücklichsein wesentlich? Und was haben Haushaltsgeräte, Versandkosten, Gott, selbstgebrannter Schnaps und Tante Páscha damit zu tun? Die Antwort auf alle diese Fragen liegen sicher irgendwo am Rande eines Schienenstrangs zwischen Metropole und Provinz verborgen, ob in Russland oder anderswo.

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Theaterpädagogik: Viola Novak

3 Fragen an Regisseur Jan Stephan Schmieding

Pressestimmen

„Dieser Abend ist unangenehm wie wichtig: Die Skala reicht von sehr komisch bis tieftraurig. Dort, wo die Welt ihre Überschaubarkeit verloren hat, lässt Jan Stephan Schmiedings Inszenierung einen Sog entstehen, dem man sich nicht entziehen kann.“ (Kleine Zeitung / kleinezeitung.at, Katrin Fischer, 20.01.2020)

„Mit dem Chor und einem Akkordeon wurden stimmungsvolle Momente geschaffen. Regisseur Jan Stephan Schmieding setzte den Text […] realistisch und ohne Verfremdung um, wodurch die Wirkung ungetrübt bleibt. […] Ein gelungener Abend, bei dem trotz aller realistisch-derben Partien die Poesie und das russische Flair nicht fehlen.“ (APA, Karin Zehetleitner, 19.01.2020)

„Als unschlagbares Verkaufsduo sind Maximiliane Haß (Schüra) und Lukas Walcher (Ljöwtschik) im Einsatz, hart, egoistisch und die Hinterwäldler verachtend […] Die Landbevölkerung ist bei Sarah Zaharanski, Beatrix Doderer und Clemens Maria Riegler in guten Händen.“ (Kronen Zeitung / krone.at, Michaela Reichart, 20./19.01.2020)

„Was für eine Personnage in einem Stück, das zwischen Groteske und Psychodrama pendelt. Der alerte Ljówtschik (Lukas Walcher) behandelt seine schwangere Freundin Schúra (Maximiliane Haß) wie einen Klotz am Bein, aber was wären die beiden schon ohne einander? Auch sie schenkt ihm nichts. Die Fahrkartenverkäuferin (Sarah Zaharanski) hält sich mit illegalem Wodka-Verkauf über Wasser, ein dankbares Geschäftsfeld im Dorf. Petrówna und Tante Páscha (Beatrix Doderer in einer Doppelrolle) stehen für jenen Typ Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat. Arm, aber herzlich? Die Grenzen zur Psychose sind fließend. Ein wahrer Philosoph im Kleinen ist der betrunkene Mann [Rudi Widerhofer] […].“ (drehpunktkultur.at, Reinhard Kriechbaum, 22.01.2020)

TERMINE
Sa, 18. Jän 20:00 - 21:40
PREMIERE
Mo, 03. Feb 20:00 - 21:40
Fr, 14. Feb 20:00 - 21:40
Mo, 24. Feb 20:00 - 21:40
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ORT & DAUER
HAUS ZWEI
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause
PREMIERE
18. Jänner 2020, HAUS ZWEI
BESETZUNG
LJÓWTSCHIK
Lukas Walcher
KASSIERERIN
Sarah Zaharanski
PETRÓWNA / TANTE PÁSCHA
Beatrix Doderer
BETRUNKENER MANN
Rudi Widerhofer
VOLK MIT TOASTERN
Amrito Geiser
Susanne Göttlich
Nina Schnepf
Lena Schulz
Markus Waldhauser
WIR EMPFEHLEN IHNEN
HAUS EINS

Das neue Stück von Wajdi Mouawad, Autor des Welterfolgs „Verbrennungen“: Ein hochspannendes, emotionales Familiendrama um den jüdischstämmigen Eitan, der sich in die arabischstämmige Wahida verliebt und daraufhin in der Vergangenheit seiner Familie nach Antworten sucht. Was macht die Identität des Menschen aus, was bedeutet ein Leben zwischen zwei Herkünften? Musikalisch inszeniert von Sandy Lopičić.

HAUS EINS

Eine Landvermesserin steigt in Wien in einen „Postzug“ und reist so lange durch Europa, bis sie keinen festen Boden mehr unter den Füßen hat, sondern sich auf einem Containerschiff auf hoher See befindet. Und weit und breit kein Land mehr in Sicht ist, geschweige denn das Kronland … Thomas Köck, einer der gefragtesten Autoren Österreichs, versucht in diesem Teil seiner „Kronlandsaga“ die Habsburgermonarchie als Vorgängermodell des vereinigten Europas zu denken.

HAUS ZWEI

Geschichten über Essen gibt es in nahezu jeder Familie, deren Herkunft sich auf mehr als zwei Länder, Kontinente oder Kulturen erstreckt. Immer wieder ist die Frage: Wie kann man ein kleines bisschen Zuhause schmecken? In dieser Bürger*innenbühne kommen Menschen mit Migrationshintergrund, Postmigrant*innen, Alteingesessene und Neudazugekommene zu Wort und teilen ihre Anekdoten, Familienrezepte und süßen Geheimnisse.

Medien