Showgirls

Ich bin etwas jähzornig, weißt du. Das ist nur meine Unsicherheit. Du bist ein liebes Äffchen.
Eine Performance von Julia Gräfner, Cora Frost, Kathrin Liess, Jennifer Weiss, Robert Lepenik, Eugen Turba

Inhalt

Wie David Lynch sind wir zutiefst davon überzeugt, „dass es das Gute gibt und einen wilden Schmerz, der alles begleitet“.

Wir versetzten uns in eine kollektive Verunsicherung, um zusammen in einen lebendigen Diskurs zu treten und die eigene Wahrnehmung zu erweitern; in diesem Schutzraum konnten wir uns spielerischer und großzügiger verhalten, uns souverän austauschen im Laufe der Arbeit,  als unter einer üblichen  hierarchischen Struktur. Es ging nie allein um ein Endergebnis, sondern um das Suchen,  einer neuen Form, sich auszutauschen. „Alleine denken ist kriminell“ (les reines prochaines)

Wir werden die Vorhänge aufziehen, für die Schmerzensreichen, die Schmerzensfrauen! Wir werden Ihnen folgen – voll Hingabe!

Rare! Young hot Goddesses, bewährte Preisträger fucked up by fame! Schauspielhaus Babylon! Mit großen Leidensszenen!

„Ebenso wie Männer lernen, ihre verbotenen weiblichen Wünsche hinter einem Stereotyp von Männlichkeit zu verbergen, lernen Frauen, ihre verbotenen männlichen Wünsche hinter stereotypen weiblichen Eigenschaften wie Unschuld, Schwäche und dem Hang zur Selbstaufopferung zu verstecken“ (L. Kaplan)

Mitgefühl oder Mimik, auch Leidenserotik, wie im Falle von Dacryphilie, der sexuellen Erregung durch das Weinen oder Leiden anderer, decken die komplexen Beziehungen zwischen Tränen, Sex, Männern und Frauen auf. Wir brauchen Tränen. Weinen fördert die Empathie, den Zusammenhalt, die Sicherheit in unserer Gesellschaft. In einer Gesellschaft, die keine Komplexität zulässt; wo es nur einen grundgütigen Gott gibt, z.B. einen Gott für alle Dinge, die Menschen fürchten, schleichen sich neue Götter durch die Hintertür: „Pornostars, Serienmörder, Leute wie Jayne Mansfield und Anne Nicole Smith sind die Götter von heute. Sie sind griechische Göttinnen. Sie werden angebetet. In ihnen steckt diese Essenz, weil wir sie damit füllen.“( Joe Coleman)

Welcher Bilder bleiben, verwirren, erotisieren, verzaubern uns, stoßen uns ab? Und warum? Was lösen Gesichter aus? Was steckt noch hinter der Idealisierung von leidenden Frauen? Welche reinigende Kraft haben Leid und Tränen?  Welche Wahrheit für uns verbirgt sich darin?

Lasst uns die Göttinnen des Leids, der Rache, der Einsamkeit anbeten! Biographien werden zu Geschichten. Von uns allen. Verteilen sich. Setzen sich neu zusammen. Erwachen zu neuem Leben. Romy Schneider. Elizabeth Taylor. Bette Davis. Marylin und die Pferde. Ihre, unsere Tode, ihre, unsere Liebe, verschwimmen; die Namen werden verschwinden, neue Wesen werden geboren, aus allen, mit neuen Namen. Jemand lebt uns weiter. Woanders. In einer anderen Zeit.

Pressestimmen

„Bildgewaltiger Solokraftakt mit Julia Gräfner. [Sie] wütet, weint, lacht, trotzt [...] und post sich alsbald durch die Geschichte schöner, angehimmelter, aber leidender Göttinnen. Die Sissi, die Romy, die Marylin, die Lolita, die Porno-Queen, die Selfie-Prinzessin, die Jungfrau – in brachialen, bildgewaltigen Szenen rechnet Gräfner […] furios mit Geschlechterstereotypen und Rollenwechseln ab.“ (Julia Schafferhofer, Kleine Zeitung, 27. April 2017)

TERMINE
Do, 30. Nov 20:30 - 21:55
Mo, 11. Dez 20:30 - 21:55
Fr, 26. Jän 20:30 - 21:55
ORT & DAUER
HAUS DREI
Hofgasse 11, A - 8010 Graz
Dauer: ca. 1 Stunde 25 Minuten, keine Pause
BESETZUNG
KÜNSTLERISCHE LEITUNG, KONZEPT & PROJEKTENTWICKLUNG
Cora Frost
Julia Gräfner
Robert Lepenik
Kathrin Kristina Liess
Jennifer Weiss
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