Werner Schwab

Werner Schwab wurde am 4. Februar 1958 in Graz als Sohn einer Haushälterin und eines Maurers geboren. Kurz nach seiner Geburt verließ sein Vater die Familie, und seine Mutter sah sich wegen unterlassener Unterhaltszahlungen gezwungen, in ihr Elternhaus zurückzuziehen. Im Folgenden musste die Mutter, um überleben zu können, ihren Sohn in Pflege geben, lebte selbst in desolaten Unterkünften und arbeitete als Haushälterin in Graz und Semriach, bis sie eine Stellung als Hausmeisterin im Herz-Jesu-Viertel in Graz erhielt, mit der eine kleine Einzimmerwohnung verbunden war. In dieser verbrachte Schwab zusammen mit seiner religiösen Mutter eine schwere Kindheit, die er mit der Einführung seines Alter Egos Herrmann Wurm in Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos zu verarbeiten versuchte.

Früh wollte Schwab Künstler werden, und so besuchte er 1974 die Kunstgewerbeschule Graz am Ortweinplatz, wo er sich in Ingeborg Orthofer, seine spätere Frau, verliebte. 1977 verließ er, nachdem er sich weigerte, eine Kunstgeschichteprüfung abzulegen, die Schule und versuchte stattdessen, an der Akademie der Bildenden Künste in Wien aufgenommen zu werden. Dies scheiterte zunächst, und Schwab begann mittellos die elektroakustischen Vorlesungen von Dieter Kaufmann in Wien zu besuchen. Daneben engagierte er sich unter anderem zusammen mit Erwin Wurm und János Erdödy in dessen Galerie in Graz, wo erste künstlerische Produktionen und Aktionen stattfanden. Im Herbst 1978 wurde Schwab schließlich doch noch von Bruno Gironcoli an der Akademie akzeptiert und erhielt Waisenrente und Höchststipendium zugesprochen, wodurch sich seine finanzielle Situation erheblich verbesserte. Er bezog zusammen mit Ingeborg Orthofer eine Wohnung in Graz und pendelte weiterhin nach Wien. Am 1. Jänner 1981 übersiedelten die zwei nach Kohlberg in der Oststeiermark. Dort hatten sie eine Landwirtschaft erworben und begannen aus verderblichen Materialien wie Fleisch, Knochen und Tierkadavern verwesende Skulpturen zu erschaffen.

Das Leben in Kohlberg ließ Fahrten nach Wien kaum noch zu, weswegen Schwab 1982 aus der Akademie ausschied und sich vermehrt dem Schreiben zuwandte. Zunächst produzierte er experimentelle Texte, in denen er Figuren für seine späteren Stücke entwickelte, und schickte diese ohne Erfolg an die protokolle und andere Literaturzeitschriften. Auch seine Bewerbungen für Literatur- und Nachwuchsdramatikerstipendien wurden ausgeschlagen, und er musste sich den Lebensunterhalt mit Holzfällen und anderen Gelegenheitsarbeiten verdienen.

1989 war Schwab an der Gründung der Künstlervereinigung Intro Graz Spection beteiligt und inszenierte am 22. April für ihr erstes Projekt sein „Kadaverstück“ Das Lebendige ist das Leblose und die Musik mit einem Stierschädel als Requisit. Da Schwab trank, ging die Beziehung mit Orthofer in die Brüche, und in dieser schwierigen Zeit kam es 1990 zu einem Wandel. Es wurden mehrere Lesungen in Graz angesetzt, im Februar wurden Die Präsidentinnen in Wien uraufgeführt, im Juni erschien der erste Teil von Abfall, Bergland, Cäsar. Eine Menschensammlung in den manuskripten, und im Dezember wurde Schwab für den Literaturförderpreis der Stadt Graz nominiert.

Als 1991 Hans Gratzer schließlich die Regie für Übergewicht, unwichtig: Unform übernahm und das Stück in Wien aufgeführt wurde, erregte Schwab mit seiner als Schwabisch in die Literaturgeschichte eingegangenen Sprache auch in Deutschland Aufmerksamkeit. Er wird von der Fachzeitschrift Theater heute als Nachwuchsdramatiker des Jahres und ein Jahr später zum Dramatiker des Jahres gewählt. Auch für sein 1991 in München uraufgeführtes Drama Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos wird Schwab mit dem Mülheimer Dramatikerpreis geehrt.